Nachrichten - 24th January 2018
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Wie Alles mit Neckarau parkrun angefangen hat

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Ursprünglich habe ich erwartet, dass es ein sehr komplizierter, mit vielen administrativen Hürden gespickter, von Machtkämpfen dominierter Prozess wird. Aber dem war nicht so. Von Anfang an war es eine wunderbare, gemeinschaftliche und spaßige Erfahrung Neckarau parkrun zu starten. Wenn Du darüber nachdenkst auch einen parkrun in deiner Gegend zu starten, dann findest Du in diesem Artikel welche Schritte wir durchlaufen sind und ich hoffe, dass es Dich in Deinem Entschluss bestärken wird! Es ist einfacher als Du denkst.

 

Wir hatten die Idee, als wir gerade im Urlaub am Strand lagen. Im Vereinigten Königreich ist parkrun eine große Sache, doch leider wohnten wir bereits in Deutschland als die ersten parkruns stattfanden. Hier in Deutschland konnten wir leider nichts Vergleichbares finden. Laufvereine kamen uns sehr ernst und verpflichtend vor. Eine Laufverabredung mit Freunden abzusagen war hingegen manchmal zu einfach. Deswegen wünschten wir uns etwas, was genau in der Mitte lag.

 

Daher haben wir parkrun im Vereinigten Königreich kontaktiert und gefragt, ob wir parkrun hier bei uns in Mannheim starten können. Unsere Zeitplanung war perfekt. Denn parkrun nach Deutschland zu bringen war auch bei der Hauptverwaltung von parkrun ganz oben auf der Prioritäten Liste. So bildeten der Gründer von parkrun, Paul Sinton-Hewitt, der leitende Geschäftsführer Tom Williams, der globale Betriebsleiter James Kemp und der Landesverantwortliche Leiter für Polen und Deutschland Jakub Fedorowicz eine kleine Delegation, die eine Woche in Deutschland planten um mögliche parkrun Orte sowie Standortteams kennenzulernen. Wir haben gleich einen Termin ausgemacht.

 

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Als die Delegation ankam haben wir uns zusammen mit interessierten Standortleitern aus Frankfurt zum Abendessen in dem gleichen Café getroffen, das auch Frühstück anbietet und gleich in der Nähe unserer vorgeschlagenen parkrun Strecke liegt. Wir hatten erwartet, dass es ähnlich wie ein Job Interview ablaufen wird und wir unsere Referenzen darlegen müssen, warum genau wir geeignet sind um einen parkrun zu starten. Für uns wäre das insofern schwierig geworden, weil wir parkrun hauptsächlich aus Erzählungen von Freunden und Familie aus England kannten. Unsere Sorge war, dass wir darauf hingewiesen werden, zuerst eine erfahrenere Gruppe aufzubauen bevor wir anfangen können. Aber anstelle eines Interviews, entwickelte sich ein leidenschaftlicher Austausch über parkrun, viele persönliche parkrun Geschichten wurden geteilt, genauso wie die Geschichte und die Zukunftsvision.

 

Als wir uns einander vorstellten haben wir natürlich erzählt, dass wir parkrun bisher eher aus Erzählungen kennen und Tom Williams fand es wunderbar, dass wir trotzdem sofort die Intention und das Konzept verstanden haben. Er war sich daher sehr sicher, dass wir daher auch anderen parkrun näher bringen können und somit ideale Kandidaten wären um einen der ersten parkruns in Deutschland zu starten. Wir waren begeistert!

 

Am nächsten Morgen sind wir alle zusammen unsere angedachte Strecke gelaufen. Dabei haben wir die Möglichkeit genutzt uns über Laufen, die Verbindung mit der Natur und anderen Läufern zu unterhalten. Da wir den Lauf vorher bei den sozialen Netzwerken angekündigt hatten, kamen auch ein paar erfahrene parkunner vorbei. Zwei Briten waren gerade zu Besuch in Deutschland und als sie davon hörten, planten sie natürlich einen Zwischenstopp in Mannheim ein. Ein anderes Paar war gerade von England in die Nähe Mannheims gezogen und gehört seitdem zu unserem Standortteam. In dem Moment wussten wir, dass es funktionieren wird. Leute haben sich getroffen um gemeinsam in einem Park zu spazieren, laufen oder zu rennen und das unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Geschwindigkeiten.

 

Auch die nächsten Schritte haben so gut funktioniert, dass wir uns im Nachhinein wirklich fragen, warum wir so besorgt waren.

 

David, unser Standortleiter, wurde über die Kommunikationsplattform Slack mit anderen Standortleitern in Verbindung gebracht. Basierend auf dem Ablauf, der sich in anderen Ländern zum Start einer neuen parkrun Veranstaltung etabliert hat, wurde ein Ablaufplan für Deutschland entwickelt. Dabei halfen Freiwillige von den verschiedensten Orten, eine neue Dokumentation für Deutschland zu entwickeln. Das heißt, dass von Anfang an jeder involviert war und dazu beigetragen hat, parkrun nach Deutschland zu bringen.

 

Die Gruppe Aufbauen

 

Davids erste Aufgabe war es andere begeisterte Helfer zu finden. Dazu gehören Laufleiter, die jede Woche die Verantwortung für die jeweilige Veranstaltung übernehmen, sowie andere freiwillige Helfer, die Aufgaben wie die des Zeitnehmers oder eines Streckenpostens erfüllen.

 

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Einen ‚harten Kern‘ an Helfern zu finden war vermutlich die wichtigste Aufgabe. Parkrun funktioniert nur dank der Hilfe von Freiwilligen und dazu ist es sehr wichtig genügend Helfer zu finden, so dass man sich Woche für Woche abwechseln kann und die Veranstaltung nicht nur von ein oder zwei Helfern geschultert werden muss. Deswegen stellt parkrun auch erst sicher, dass man genügend Helfer hat, eher man eine wöchentliche Veranstaltung organisieren kann. Diese Unterstützung hat uns ein gutes Gefühl gegeben.

 

Jakub hat den Kontakt mit anderen Leuten, die aus unserer Region kommen und an parkrun interessiert sind, hergestellt. Durch soziale Netzwerke und durch die wöchentlichen parkrun Newsletter hatten auch einige andere mitbekommen, dass parkrun bald in Deutschland starten wird und so konnten wir einige Leute gleich kontaktieren. Gleich zu Beginn waren wie schon 12 Freiwillige! Super!

 

Diese Gruppe aufzubauen war bisher das Beste, denn dadurch haben wir großartige Leute kennengelernt! Wir hatten auch Glück, dass sich nicht allzu weit von Mannheim, nämlich in Frankfurt, noch ein anderer parkrun im Aufbau befand. Die Helfer vom Nidda parkrun in Frankfurt (Cathy Hopkins, Dunya Selbach und Gillian T) haben uns bei unserem Aufbauprozess begleitet, sodass wir alle zusammen lernen konnten. Dadurch haben wir eine sehr gute Verbindung zu unserem momentan nächsten parkrun und können uns so einiges an Ressourcen teilen. Sobald der erste parkrun in Frankfurt stattfand, haben wir natürlich ein paar unserer regulären wöchentlichen Helfer verloren, aber wir wissen, dass wir uns auch weiterhin gegenseitig unterstützen werden.

 

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Außerdem hatten wir großes Glück, dass zwei erfahrene parkrunner und Laufleiter zu unserem Team gehören. Martin und Svenja Beck haben beide bei ihrem lokalen parkrun in Jells, Melbourne, Australia in den verschiedensten Positionen geholfen und waren dort Laufleiter, ehe sie im Oktober 2017 zurück nach Deutschland gezogen sind. Ihr Wissen und ihre Begeisterung haben bei dem ganzen Prozess ungemein geholfen. Sie konnten unsere Sorgen beruhigen und uns als Muttersprachler und Deutsche auch bei einigen weiteren kulturellen Feinheiten unterstützen.

 

Die Kerngruppe an Helfern war über die Kommunikationsplattform Slack im ständigen Austausch und so konnten wir unsere Kommunikation sehr effektiv gestalten.

 

Erlaubnis für die Veranstaltung einholen

 

Nachdem wir eine gute Gruppe gebildet hatten, konnten wir uns um die Erlaubnis der Stadt Mannheim für die Park Benutzung kümmern. Aus Erfahrungsberichten wissen wir, dass sich dieser Prozess ein bisschen von Stadt zu Stadt unterscheiden kann. Auf alle Fälle war es nicht so kompliziert wie es im ersten Moment klingt. Zu Beginn haben wir mit der für Sport und Freizeit zuständigen Person kommuniziert ehe wir uns mit dem für unseren Park zuständigen Förster in Verbindung gesetzt haben. Über Telefon hat er uns versichert, dass es sich dabei um einen öffentlichen Park handelt, den jeder benutzen kann. Voraussetzung ist, dass man keine permanente Beschilderung anbringt und es sich um eine gemeinnützige Veranstaltung handelt. Per E-Mail haben wir dies noch einmal bestätigt und die schriftliche Zustimmung sowie die relevanten Kontaktdaten sind nun ein fester Bestandteil der Laufleiter-Mappe. Erlaubnis eingeholt- super!

 

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Risikoabschätzung

 

Als nächstes mussten wir eine Risikoabschätzung für unsere parkrun Strecke der Hauptverwaltung vorlegen. Dazu haben wir mögliche Gefahren entlang der Strecke sowie Szenarien, die zu einem Veranstaltungsabbruch führen könnten, identifiziert. Da unser parkrun in einem Waldstück entlang eines Flusses stattfindet, müssen wir die Gefahr von umfallenden Bäumen bei hohen Windgeschwindigkeiten, sowie starken Regen und Überschwemmung berücksichtigen. Wir haben das Formular ausgefüllt und somit den nächsten Punkt auf unserer Liste abgearbeitet – super!

 

Start Termin

 

Wir haben es geschafft unseren ersten parkrun Termin so zu koordinieren, dass wir gleichzeitig mit zwei anderen parkruns starten konnten. So wurde der 2. Dezember der Tag an dem parkrun in Deutschland startete. Bis dahin waren es noch sechs Wochen, so dass die Hauptverwaltung genügend Zeit hatte, die Materialien, wie gut erkennbare Westen für unsere Helfer, Richtungsschilder oder auch die Zielmarken, bereitzustellen. Die Sachen kamen rechtzeitig an, sodass wir uns gut auf unsere erste Veranstaltung vorbereiten konnten.

 

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Internett Auftritt und soziale Netzwerke

 

Die Hauptverwaltung hat unsere Veranstaltungswebsite, sowie Facebook und Twitter eingerichtet und uns die Zugangsdaten gegeben. Das war genug Zeit um die Veranstaltung publik zu machen und uns an die administrativen Dinge zu gewöhnen. Außerdem haben wir eine Instagram Seite, sowie ein Strava Profil und eine Veranstaltung bei meetup.com eingerichtet, damit wir über die verschiedensten Wege mit unseren potentiellen Läufern und Spaziergängern kommunizieren können.

 

Helferplan

 

Außerdem haben wir uns Zeit genommen zu lernen wie das parkrun System um die Helfer zu organisieren und E-Mails zu versenden funktioniert. Es ist ein wunderbar einfacher Prozess und gut zu handhaben. Unser Ziel ist es, unseren Helferplan für das Wochenende am Dienstag organisiert zu haben, sodass wir dann am Donnerstag die Erinnerungsnachricht an unsere Helfer schicken können.

 

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Probelauf

 

Drei Wochen vor unserem Start Termin, hatten wir einen Probelauf organisiert. Am Abend vor der Generalprobe haben wir Laufleiter zusammen Abend gegessen um die letzten Details durchzusprechen und um zu feiern, dass wir endlich bald mit parkrun starten können! Bei unserer Generalprobe, die genau wie ein echter parkrun am Samstagmorgen um 9 Uhr begann, haben unsere Helfer ihre Rolle üben können, während neben einigen parkrun Interessierten auch viele Freunde als Läufer und Spaziergänger unterwegs waren.

 

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Um 7:30 Uhr haben der Laufleiter und der Zieleinlauforganisator (und Springer für andere Helferrollen) begonnen, die Streckenmarker entlang der Strecke zu positionieren und haben dabei glücklicherweise festgestellt, dass man in Zukunft noch weitere 20 Minuten im Bett verbringen kann, bevor man die Strecke markieren geht. Unsere Streckenposten waren um 8:15 vor Ort (seitdem haben wir es auf 8:30 Uhr nach hinten verschieben können) und haben sich dann auf den Weg zu ihren Positionen entlang der Strecke gemacht. Nach der allerersten Laufeinweisung durch den Laufleiter haben wir den Probelauf gestartet. Es war ein sehr schöner Morgen und alles lief glatt. Wir haben von unseren Läufern und Helfern hilfreiche Rückmeldungen bekommen und konnten uns so notieren, wie man die Schilder in Zukunft noch geschickter aufstellen kann. Danach sind wir gemeinsam in unserem nahegelegenen Café zum Frühstücken gegangen. Dabei haben wir die Ergebnisse der Generalprobe im Test System ausgewertet. Es war für uns sehr praktisch gewesen, dass Martin und Svenja bereits einiges an Erfahrung mit dem System hatten, aber es gibt auch einige gute und hilfreiche Dokumente, die einem dabei helfen können. Und dann war es das gewesen. Generalprobe war bestanden. Super!

 

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Die Woche vor dem Veranstaltungsstart

 

Die gelungene Generalprobe hat uns ein gutes Gefühl gegeben und unsere Nerven beruhigt. Wir haben die darauffolgende Zeit genutzt und bei den sozialen Netzwerken, MeetUp.com und strava noch mehr Werbung gemacht. Außerdem haben wir einige lokale Firmen angesprochen, die die Veranstaltungsankündigung an ihre Mitarbeiter weitergeleitet hat.

 

Außerdem besuchte uns großartiger Weise Jane Niven von der parkrun Hauptverwaltung, um uns bei unserer ersten Veranstaltung zu unterstützen. Es war sehr beruhigend, dass noch jemand da war, der jede beliebige Frage beantworten konnte und auch einfach unsere Hand gehalten hat. Hauptsächlich hat Jane unsere Nerven beruhigt und uns darin bestätigt, dass wir gut vorbereitet waren. Am Abend vor der ersten Veranstaltung haben wir als Gruppe zusammen zu Abend gegessen und darauf angestoßen, dass nicht nur der erste parkrun bald bevor stand, sondern wir auch neue Freunde kennengelernt haben.

 

Während des gesamten Prozesses waren Jakub und David im permanenten Austausch, um bei allen Fragen zu helfen, egal wie groß oder klein, und um uns zu unterstützen. Das war prima und wir haben uns nie allein gefühlt.

 

Der erste parkrun

 

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Eigentlich gibt es über den ersten parkrun nicht viel zu sagen, außer dass es ein unglaublicher Erfolg war! Wir haben auf das Konzept von parkrun vertraut und das hat uns wirklich zum Erfolg verholfen. In der Woche vor dem Start haben wir bereits einige Nachrichten von Mannheimern bekommen, aber es haben sich auch einige parkrun Touristen angemeldet. Deswegen wussten wir bereits, dass wir nicht alleine dastehen werden, aber dass wir tatsächlich 54 Teilnehmer hatten, hat uns unglaublich gefreut! Einige unserer parkrun Touristen sind mehrerer hundert Kilometer gefahren um bei dem ersten parkrun Deutschlands dabei zu sein. Und auch die Atmosphäre während des Frühstücks war sehr besonders.

 

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Fazit

 

Die Organisation von Neckarau parkrun hat viel Spaß gemacht, war relativ einfach und stressarm. Für den Fall, dass Du gerade am Überlegen bist, ob Du einen parkruns starten möchtest und Dir Sorgen machst, dass es zu anstrengend, zu schwierig, zu herausfordernd wird, dann kannst Du Dich an uns erinnern – es ist leicht. Einfach ausprobieren – es wird Dein Leben verändern und möglicherweise auch das von vielen, vielen anderen!

 

Die Gruppe bei parkrun ist großartig und haben zudem ein gutes System entwickelt, dass leicht verständlich ist und Dir hilft schnell Deinen parkrun zu starten. Es ist wirklich so, dass hier jeder jedem hilft, sodass Du Dich nicht alleine fühlen wirst. Wir sind wirklich eine große Familie.

 

Michelle Sweeney
Neckarau parkrun

#liebeparkrun

 

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