Nachrichten - 31st October 2019
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Weglaufen…

running to escape

Mein Name ist Dame Dibada, ich bin Flüchtling und komme aus der Region Oromia in Äthiopien. Mit einer Zeit von 15:58 war ich der schnellste Läufer bei Beckenham Place parkrun in London, aber diese Anstrengung ist der reinste Spaß verglichen mit dem, was ich auf mich nehmen musste um alleine aus meinem Heimatland zu fliehen und nach Großbritannien zu reisen.

 

Ich gehöre zu den Oromo. Wir sind die größte ethnische Gruppe in Äthiopien mit etwa 27 Millionen Menschen. Wir sprechen eine eigene Sprache, die man „Oromifa“ nennt. Obwohl wir so viele sind, ist das Leben dort für uns nicht einfach und viele Menschen beteiligen sich an Protesten gegen die Regierung. Viele wurden schon ins Gefängnis gesteckt deshalb und es gab auch Tote.

 

Im Jahr 2014 wurde ich dann beschuldigt, Oromo-Befreiungspropaganda verbreitet zu haben und war sechs Wochen lang inhaftiert. Dann durfte ich nach Hause, wurde aber eingeschüchtert, erneut verhaftet und eingesperrt. In der Zeit wurde ich zusammengeschlagen, verlor dadurch meine Zähne und mein Arm wurde verletzt. Als ich eines Tages unter bewaffneter Bewachung auf den Maisfeldern rund um das Gefängnis arbeiten musste, nutzte ich einen unbeobachteten Moment und rannte davon.

 

Nach meiner Flucht arbeitete ich mich durch Afrika und Libyen und wurde über das Mittelmeer nach Italien geschmuggelt. Die Überfahrt dauerte 19 Stunden und die Bedingungen waren schrecklich. Es gab keine frische Luft im Boden des Bootes, es roch sehr schlecht und alle waren krank – ich hatte aber keine andere Wahl. Schließlich schafften wir es aber zum Flüchtlingslager „Jungle“ in Calais und ich versteckte mich unter einem Lastwagen, um nach Großbritannien zu gelangen. Dank einer sehr lieben Familie lebe ich jetzt in London während die Regierung über meine Zukunft entscheidet.

 

Ich habe das große Glück, großzügige Menschen um mich zu haben die mir helfen. Aber weil ich nicht arbeiten darf, habe ich das Problem dass ich nicht müde werde und deshalb schlecht schlafe. Die Familie, mit der ich lebe fragte mich, ob Laufen vielleicht ein guter Ausgleich für mich sein könnte? Ich fand die Idee gut und so haben sie mich beim parkrun angemeldet, druckten meinen Barcode aus und ich bin dann damit zum Beckenham Place parkrun gegangen.

 

Beim ersten Mal habe ich mich gleich verlaufen. Ich ging überpünktlich von Zuhause los, aber als ich dort ankam wo ich dachte dass der Kurs ist, war niemand da. Schließlich sprach ich mit einigen Leuten die ihr Auto dort parkten und fragte nach dem parkrun – die haben mir dann weitergeholfen. Mittlerweile laufe ich sogar abwechselnd bei zwei parkruns mit.

Ich mag parkrun weil ich es liebe, gemeinsam mit anderen Menschen zu laufen. Ich bin immer glücklich wenn ich laufe. Beim parkrun sind viele Menschen – kleine, große, junge und alte – und jeder läuft um Spaß zu haben und um gesund zu bleiben. Ich habe festgestellt, dass ich ein schneller Läufer bin und so haben mich die Leute von parkrun mit Kent AC bekannt gemacht. Es ist großartig, Teil dieses Laufclubs zu sein – parkrun und Training geben mir Kraft für mein Leben. Für mich scheint das Laufen immer einer Art von Flucht zu sein.

 

Früher war ich sehr einsam, jetzt habe ich viele Freunde gefunden durch parkrun und auch durch meinen Laufclub. Ich habe jetzt eine große Familie. Zwar ist meine Situation schlecht, aber zumindest habe ich Freunde die mir Kraft geben.

 

Dame Dibada
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