Nachrichten - 18th December 2019

Laufen gehen muss man nicht rechtfertigen

rechtfertigung

Weihnachtszeit ist auch die Zeit der Genüsse: Lebkuchen, Plätzchen, die eine oder andere Einladung zu einem tollen Essen in netter Gesellschaft. Wir sollten aber nicht versuchen, etwas Schönes, wie den Genuss der Leckereien, mit etwas anderem, etwa Sport, auszugleichen .  Russ Jefferys, unser globaler Leiter für Kommunikation, erörtert warum Training keine Strafe sein soll.

 

Sie ist wieder da, diese bestimmte Zeit des Jahres: Weihnachtslieder im Radio, ein Kalender voller Einladungen zu Weihnachtsfeiern und hässliche Weihnachts-Strickpullover.

 

Allerdings kam in den letzten Jahren eine neue Tradition auf. Anstatt, dass sie uns Freude bereitet, ist diese scheinbar unvermeidliche neue Weihnachtstradition völlig frei von festlicher Freude. Schlimmer noch, aus meiner Sicht ist sie weder hilfreich noch akzeptabel, sondern eigentlich zerstörend.

 

Du hast sicher auch diese scheinheiligen Schlagzeilen in Zeitungen und auf Websites gesehen: Sie sagen, dass man für jede Kalorie des Weihnachtsessens eine immer größere Strecke zurücklegen müsse, wenn nicht alles Gegessene auf den Hüften landen soll.

 

Bevor wir nun aber über alles schimpfen, das an diesen Artikeln schlecht und falsch ist, lasst uns einen Schritt zurücktreten und lasst mich erklären, was mich motiviert hat, diesen Beitrag zu schreiben.

 

Ich arbeite für parkrun, die Organisation, die mit Hilfe von Freiwilligen jede Woche über 2000 5- oder 2-km-Läufe bzw. Walking-Veranstaltungen in 21 Ländern rund um die Welt ermöglicht. In meiner Funktion als Verantwortlicher für Kommunikation ist es ein Teil meiner Aufgaben, die Sprache zu entwickeln, die wir benutzen, damit die Menschen positive Entscheidungen treffen können bzw. sich unterstützt fühlen, dies zu tun. Ich bin schlussendlich verantwortlich für die Inhalte, die parkrun auf diesem Blog, in Emails und überall in den sozialen Medien wiedergibt – die Bilder, die Du siehst, die Sprache, die wir benutzen und die Geschichten, die wir erzählen.

 

Aber jenseits der tatsächlichen Worte, die wir verwenden, helfe ich, für die Ansichten, die wir vertreten, wegweisend zu sein und gewissermaßen zu steuern, was wir meinen, mit dem, was wir sagen. Auf wen wir ansprechend wirken, und auf wen nicht. Wie Dich das, was wir sagen, fühlen lässt.

 

Wir haben gemerkt, dass parkrun der Gesundheitsvorsorge dient – es ist ein Spaziergang, bzw. gemütlicher oder zügigerer Lauf in einem Park. Aber es ist noch viel mehr als das. Durch parkrun können Leute gesünder und glücklicher werden und sie werden es tatsächlich auch. Wir glauben dies so leidenschaftlich, dass der Beitrag zu einem “gesünderen, glücklicheren Planeten” zu unserem Leitbild geworden ist.

 

In vielen Ländern auf der Welt gibt es eine Gesundheitskrise, dadurch dass  Krankheiten, wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Herzleiden zunehmen. Allerdings sind sie durch Dinge, die parkrun bietet, vermeidbar (oder sogar umkehrbar).

 

Unsere Herausforderung ist es deshalb, parkrun denjenigen Menschen nahezubringen, die am meisten von einer gemeinschaftlichen Veranstaltung für die Gesundheit profitieren, von physischer Aktivität, von der Möglichkeit, freiwillig zu helfen und Fähigkeiten zu entwickeln, davon, an der frischen Luft zu sein, Freundschaften zu schließen und eine positive Lebenseinstellung zu erfahren – und das kostenlos, jedes Wochenende im Jahr und in einigen Ländern auch an Weihnachten.

 

Aber lasst mich auf den Punkt zurückkommen, den ich kaum herausbekomme: Wir sollten uns niemals für das Laufen rechtfertigen müssen.

 

Wenn Du sagst, dass etwas Schönes (wie der Genuss des Weihnachtsessens) durch etwas anderes ausgeglichen werden muss (Bewegung), um ein künstliches Gleichgewicht wiederherzustellen, machst Du Sport bzw. Bewegung zu einer negativen Erfahrung.

 

Wenn Du also den Eindruck erweckst, dass physische Aktivität eine Strafmaßnahme ist, die ausgeführt werden muss, um einen Fehler wieder gut zu machen (wie eine gemeinnützige Tätigkeit als Wiedergutmachung, dafür, bei den Bratkartoffeln zu stark zugelangt zu haben), riskierst Du es, Ängste hervorzurufen, die nur sehr schwer zu überwinden sind.

 

Erinnerst Du Dich an die Schulzeit, als Runden-Laufen eine Strafe war? Welche Assoziationen weckt Bewegung dann bei einem jungen Menschen? Die Scham, die Peinlichkeit, die Anstrengung, die Einsamkeit und der Schmerz hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

 

Bewegung sollte niemals als Strafe dienen. Ist es deshalb ein Wunder, dass Generationen von Menschen unter dem Eindruck aufgewachsen sind, dass Laufen eher etwas ist, das man aushalten muss, anstatt es genießen zu können.

 

Wir sehen dies an jedem Tag während unserer Arbeit. Jemand meldet sich bei parkrun an, aber kommt nicht über Wochen, Monate – oder gar Jahre – weil er oder sie immernoch all diese negativen Gefühle verspürt.

 

Und trotzdem ziehen diejenigen Menschen, die Bewegung als notwendiges Übel ansehen, und die sich weigern zu glauben, dass Bewegung etwas Gutes für sie wäre, oftmals den größten Nutzen aus der Teilnahme an positiver, unterstützender und inklusiver physischer Aktivität. Es handelt sich um diejenigen, die die meiste Zeit ihres Lebens glaubten, dass sie körperlich nicht aktiv sein könnten. Es sind diejenigen, denen gesagt wurde, dass Sport nichts für sie sei, diejenigen, die fürchten, verspottet zu werden, zu versagen oder als letzte anzukommen. Es ist eine riesige Herausforderung, diese Menschen davon zu überzeugen, dass sie es tun können, dass sie willkommen sind, dass parkrun genau der richtige Platz für sie ist.

 

Abgesehen von der Tatsache, dass körperliche Aktivität als metaphorischer Stock eingesetzt wird, um uns zu schlagen, gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die ‚Kalorien rein / Kalorien raus‘-Theorie von Gewichtszunahme und Gewichtsverlust total falsch ist. Der menschliche Körper ist komplex. Es liegt auf der Hand, dass einige Lebensmittel und Getränke besser und andere schlechter für uns sind. Kalorie ist nicht gleich Kalorie.

 

Auf jeden Fall sind eine gute Gesundheit und Wohlergehen das Ergebnis einer Reihe verschiedener Faktoren – darunter Bewegung, soziale Kontakte, Schlaf, Stress und natürlich die Ernährung, um nur einige zu nennen.

 

Unser Leben ist ebenfalls kompliziert. Zeitweise ist es einfach, ‚gesund‘ zu leben. Wir entwickeln eine gute Routine, alles geht gut. Zu anderen Zeiten ist es schwieriger. Es passiert etwas, das alles aus der Bahn wirft – der Verlust der Arbeitsstelle, ein Trauerfall, die Geburt eines Kindes, eine schlimme Krankheit. Manchmal ist es auch Weihnachten, was die Routine durcheinanderbringt. Manchmal ist Weihnachten aber auch einfach die Ausrede, die wir brauchen, um uns nicht mehr anzupassen, sondern um uns zu entspannen und uns zu verwöhnen.

 

Das ständige Mantra, den Menschen zu sagen, was sie tun sollen, was sie essen sollen, wie sie gesünder und glücklicher werden, wenn sie nur von ihrem Sofa aufstehen und sich bewegen oder ‚gesündere‘ Sachen essen, tut niemandem gut.

 

Eines ist ziemlich sicher, und zwar sind Beiträge wie dieser, ganz besonders wenig hilfreich, wenn es um Essstörungen geht. Jemandem die Meinung aufzuzwingen, dass das Essen ‚verdient‘, ‚abgearbeitet‘ oder wieder ‚verwertet‘ werden muss, anstatt es einfach nur zu genießen, hat verheerende Folgen.

 

Diese Dinge sind niemals angebrachte Nachrichten, die kommuniziert werden sollten.

Das ist der Grund, warum parkrun diese Art von Artikeln nicht unterstützt, im Gegenteil, Du kannst von uns erwarten, dass wir uns für das Gegenteil einsetzen.

 

Organisationen mit einem Publikum haben die Verantwortung, die zahlreichen positiven Nutzen von physischer Aktivität zu kommunizieren – ohne damit Schuld, Vorwürfe oder Lächerlichkeit in Verbindung zu bringen. Niemand sollte seine Sportschuhe anziehen und trainieren, nur um etwas ‚zu verbrennen‘, was er oder sie konsumiert hat.

 

Von außen mag es scheinen, dass diejenigen, die trainieren, einer Art religiösem Kult angehören, aber physische Aktivität ist keine Selbstgeißelung.

 

Laufe (oder mach eine andere Art von Sport) einfach nur, weil Du es kannst. Tu es, um zu entkommen. Tu es, um frei zu sein, um Dich mit Deinem Körper und Deiner Seele verbunden zu fühlen. Tu es, um Dich lebendig zu fühlen.

 

Tu es, aus welchem positiven Grund auch immer – und genieße es, so gut Du kannst.

Weihnachten ist eine Zeit der Feierlichkeiten, des Genusses, der Gemeinschaft und der geteilten Erfahrungen. Physische Aktivität kann all dies auch sein.

 

Lass uns die Geschichte von körperlicher Aktivität und Weihnachten erzählen, die durch Freude vereint werden – und lass dies unsere neue Tradition werden.

 

Russ Jefferys

Head of Communications

 

Dieser Artikel ist im Original im Englischen erschienen. Das Original findet Ihr hier:

https://blog.parkrun.com/uk/2019/12/11/why-we-should-never-have-to-justify-going-for-a-run/

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