Nachrichten - 8th January 2020

Ein Foto voller Begeisterung

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„Niemals hätte ich geglaubt, dass mich ein Foto, bei dessen ersten Anblick ich zusammenzucke, einmal so berühren und mein Leben verändern könnte.“

 

Vor einem Jahr ging ein Foto von Dawn Nisbet viral, das sie zeigt, wie sie beim parkrun in Manchester als letzte Läuferin ins Ziel kommt. Die Freude in Dawns Gesicht darüber, dass sie ihre Selbstzweifel überwunden hat, ist die Verkörperung eines der obersten Ziele von parkrun. Bis Dawn selbst in dem Foto das sehen konnte, was alle anderen darin erkannten, hat es etwas gedauert. Aber es hat ihr Leben verändert. Seit kurzem gehört sie zum parkrun 50-Club und nahm dies zum Anlass, darüber nachzudenken, wie sich ihr Leben mit parkrun verbessert hat.

 

Als ich das Foto zum ersten Mal sah, fielen mir nur die wabbeligen Stellen auf. Ich konnte die Freude, die die anderen sahen, nicht erkennen. Aber die Rückmeldungen, die ich erhielt, halfen mir, allmählich über das Wabbeln hinwegzusehen und die Begeisterung wahrzunehmen, die auf dem Foto zu sehen ist
 
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Neulich poppte das Foto wieder auf meiner Facebook-Seite auf und hat mich daran erinnert, dass mittlerweile ein Jahr vergangen ist, seit dieses Bild viral ging. Nur ein Jahr? Es fühlt sich viel länger her an, so viel hat sich verändert. Niemals hätte ich geglaubt, dass mich ein Foto bei dessen ersten Anblick ich zusammenzuckte, einmal so berühren und mein Leben verändern könnte. Das Bild wurde an der Ziellinie meines erst sechsten parkruns aufgenommen, aber meine Freude, war mir schon für alle gut sichtbar ins Gesicht geschrieben: das Gefühl von Stolz darüber, etwas geleistet zu haben.

 

Zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben hatte ich ein sehr geringes Selbstvertrauen. Das wurde noch schlimmer, als ich das Foto sah und mir nur die wabbeligen Stellen auffielen. Ich konnte die Freude, die die anderen sahen, nicht erkennen. Die positiven Rückmeldungen, die ich erhielt, halfen mir aber, allmählich über das Wabbeln hinwegzusehen und die Begeisterung wahrzunehmen, die auf dem Foto zu sehen ist. Es war so lange her, dass ich mich über etwas, das ich geleistet hatte, so sehr freuen konnte! Ich hatte viel Freude daran, meine Töchter aufwachsen zu sehen und gemeinsam mit meinem Mann als Team Erfolg zu haben – aber ich hatte nichts für mich ganz alleine. Ich glaube, ich hatte mich selbst und meine Identität lange vorher im Alltag verloren, während ich versuchte, alles unter einen Hut zu bringen. Mein Übergewicht und das Gefühl festzustecken und nicht weiterzukommen machten das noch schlimmer. Aber plötzlich war ich da jeden Samstag und nahm mir eine Stunde Zeit für mich ganz alleine, um etwas zu erreichen, das ich mir zum Ziel gemacht hatte.

 

Ich war erstaunt über die Resonanz, die das Foto verursachte. Es schien so viele Menschen anzusprechen, sie zu inspirieren oder einfach nur zum Lächeln zu bringen. Es wurde so oft geteilt und kommentiert und ging um die Welt. Renton Park, ein relativ neuer parkrun in Washington, USA, hat die Geschichte kürzlich auf seiner Facebook-Seite geteilt, um mehr Menschen zu ermutigen, sich anzumelden. Indem ich mutig war und zustimmte, dass das Foto online gehen durfte, konnte es die Botschaft verbreiten, dass es völlig in Ordnung ist, langsam und vielleicht etwas wabbelig direkt vor dem Schlussläufer ins Ziel zu kommen.

 

Mein Leben ist jetzt, ein Jahr später, ganz anders als früher. Die größte Veränderung: ich bin glücklich! Früher war mein ganzes Leben eine Warteschleife: Ich wartete darauf, endlich „dünn“ oder „weniger fett“ zu sein. Jetzt hasse ich das, was ich im Spiegel sehe, nicht mehr. Stattdessen nehme ich wahr, was mich ausmacht: ich bin stark, entschlossen und glücklich. Ich habe vieles erreicht, was ich nie für möglich gehalten hätte. Mein Selbstvertrauen wird auch immer besser. Ich konnte auf dem roten Sofa der BBC sitzen und dort relativ entspannt über meine Veränderung und meine Freude am Laufen und an parkrun sprechen (auch wenn meine Kinder fanden, dass es peinlich war). Nachdem ich kurz völlig überwältigt war, als ich Darren Campbell (Olympiasieger und Radiomoderator) traf, durfte ich mit ihm im Radio plaudern. Ich habe drei 10-km-Läufe absolviert. Von meinem ersten 10-km-Lauf, dem Great Manchester Run, habe ich für BBC Sport auf Facebook live berichtet, und damit eine Million Menschen erreicht. Ich wurde live gefilmt, als ich beim Überqueren der Ziellinie weinte, weil mich das Erfolgserlebnis so überwältigte (das war natürlich kein schöner Anblick!).

 

2017 bin ich 641 Kilometer gelaufen, die meisten davon haben mir Freude gemacht. Gelegentlich gab es auch mal einige Kilometer bei Schnee, Eisregen und sogar einem Taifun – das war nicht so angenehm – aber ich bin immer angekommen. Ich habe 1300 £ für wohltätige Zwecke gesammelt, die mir am Herzen liegen. Meine Stiefmutter, die mich dazu inspiriert hatte, das Laufen zu nutzen, um für gute Zwecke zu werben, verlor ihren Kampf gegen den Krebs leider kurz vor Neujahr. Das machte mir noch einmal bewusst, dass ich es mir als Mutter, Tochter und Frau schulde, jeden einzelnen Tag meines Lebens zu genießen und glücklich zu sein!

 

Das Beste an parkrun aber sind meine Freunde! Durch parkrun habe ich so viele Freunde gewonnen, dass ich gar nicht in Worte fassen kann, wie wichtig das für mich ist. Ich glaube genau das macht parkrun für mich aus. Spitzenläufer, die ihren parkrun innerhalb von 16 Minuten beenden, stehen jubelnd an der Ziellinie, wenn man selbst 30 Minuten später ankommt. Schlussläufer, die den parkrun als Aufwärmprogramm für ihre „größeren“ Läufe später am Tag nutzen, nehmen sich die Zeit, anderen zu helfen und sie zu unterstützen. Freunde, die schon längst vor Dir im Ziel sind, laufen zurück, um Dir auf der Strecke Zuspruch zu geben und Gesellschaft zu leisten. Was für eine großartige Gemeinschaft! Und was für ein Glück, Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen!

 

Nun stehe ich hier und gehöre zum parkrun 50er Club. Im Laufe meiner fünfzig Veranstaltungen habe ich an verschiedenen Standorten teilgenommen. Sogar beim „Mekka“ von parkrun, Bushy Park in London bin ich gelaufen – während einer Reise mit Frauen, die ich nur durch parkrun kennengelernt habe und die jetzt Freunde fürs Leben sind. Auch den parkrun, der als der Steilste gilt, bin ich schon gelaufen – Lanhydrock in Cornwall. In Seaton in Devon habe ich teilgenommen, ein parkrun, der an einem Kiesstrand startet oder endet. Den parkrun in Rugby bin ich zum Muttertag gelaufen – auch dort habe ich neue Freunde gefunden. Ich habe flache parkruns erlebt, hügelige parkruns, parkruns mit steilen Stufen, parkruns mit Rehen, Kühen und Gänsen. Letzte Woche habe ich endlich Angina Hill im Heaton Park in Angriff genommen und geschafft (und ja, ich habe geweint, als ich oben angekommen bin). Alle diese parkruns waren großartig dank der beteiligten Menschen, den freiwilligen Helfern und den Freunden. Aber Oldham wird für immer der Ort bleiben, an dem alles begann – wo ich fast gekniffen hätte, weil ich mir sagte, ich sei zu langsam und wäre nicht willkommen. Wie falsch ich da doch gelegen habe! Gut, dass ich meiner inneren Stimme die Stirn geboten habe! Nun liebe ich es, neue parkruns zu besuchen, aber wenn ich in Oldham teilnehme, fühle ich mich zu Hause.

 

Zum Schluss möchte ich noch Val Lovatt meinen Tribut zollen. Val ist die Fotografin des Originalfotos. Sie verdient alle Anerkennung dafür, dass sie diesen Moment festgehalten und ihn der Welt gezeigt hat.

 

Link zum Originalartikel

 

Dawn Nisbet
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