Nachrichten - 25th March 2020

Jeder ist willkommen!

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Eine parkrun-Story, die eine parkrunnerin der ersten Stunde im Krankenhaus für uns geschrieben hat:

 
Jeder ist Willkommen! Oder: “wie es ist, mit Schmerzen zu laufen”.

 
Ihr hattet bestimmt schonmal hohes Fieber? Stellt Euch mal vor, wie es ist, damit aufzustehen, vielleicht sogar zu laufen. Jeden Tag Eures Lebens so zu verbringen. Immer schmerzende Gelenke und Muskeln zu haben, die Euch jeden Schritt, alle Bewegungen, erschweren. Ich habe “Fibromyalgie”, das ist eine chronische Schmerzkrankheit. Und genau so geht es mir….

 

Vor etwas mehr als zehn Jahren konnte ich kaum noch gehen, zusätzlich zu den Schmerzen hüftabwärts waren auch noch die Schultern und Arme betroffen. Nur leichte Kleidung konnte ich tragen, da das Gewicht des Stoffes schon Berührungsschmerzen auslöste. Stoffe an Arm und Schulter fühlten sich an, wie Metall, waren so schwer, wie eine Ritterrüstung. Ich konnte nicht mehr gehen vor Schmerzen, war sogar kurzzeitig auf den Rollstuhl angewiesen. Die Ärzte wussten nicht mehr weiter und vermuteten, dass es mir nie wieder besser gehen würde. Entgegen dieser Prognose habe ich mich mit vielen Therapien, eisernem Willen, unterschiedlichen Medikamenten, sowie Ernährungsumstellung, sanfter Bewegung und vielem Umdenken ins Leben zurückgekämpft, was eine tägliche Herausforderung ist.

 

Im Internet las ich ich im Herbst 2017 zum ersten Mal von parkrun. Der parkrun-Gründer und das Team der ersten Stunde würden in Deutschland sein und parkrun vorstellen, es wurde eingeladen, morgens im Berliner Tiergarten mitzulaufen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich gerade mal wieder einigermaßen gehen und hätte es nie für möglich gehalten, jemals wieder laufen zu können.

 

„Jeder ist willkommen.“ war der Satz, der mir den Mut gab hinzugehen, wohl wissend, dass 5 km für mich zu weit sein würden. Zu meinem Glück liefen, bzw. gingen wir bei diesem ersten Treffen nur 3,6 km. Aber der Funke von parkrun sprang zu mir über!

 
Nicht wegen der Kilometer oder der Bewegung, sondern weil Menschen plötzlich auf mich Rücksicht nahmen, ganz selbstverständlich danach fragten, ob das Tempo für mich zu schnell sei. Sie passten sich mir an und achteten darauf, dass ich mich nicht übernahm. Im Gespräch mit Paul (Sinton-Hewitt) erfuhr ich seine eigene Leidensgeschichte und spürte, wie wichtig ihm und allen anderen bei parkrun die Integration von Schwächeren und andersartigen Menschen ist. Das tat mir gut und gab mir Kraft. Dieses Aufgenommenwerden war für mich neu: das Gefühl, dass ich so wie ich bin, vollkommen in Ordnung sei!

 
2018parkrun_BerllinHasenheide000

 
Ohne parkrun zuvor erlebt zu haben und seine Historie in England zu kennen, wurde ich ein Teil des Kern-Teams zum Aufbau von parkrun in Berlin, kümmerte mich um mögliche Routen, den Kontakt zur Stadt und um eine Genehmigung für einen ersten parkrun-Standort. Gemeinsam schafften wir mit Rückschlägen, dass parkrun in die Hasenheide kam und dann auch in kürzester Zeit starten konnte.

 
Ich konnte meine berufliche Erfahrung aus dem Marketing und der Projektleitung nutzen, baute Videos zusammen, kümmerte mich um Fotos und Postings auf Facebook und arbeitete daran, unseren Standort bekannt zu machen. Samstags war ich so oft wie möglich als Helferin vor Ort, um das Team zu motivieren und mitzuorganisieren.

 
Auch meinen Vater konnte ich für parkrun begeistern. Mit seinen 81 Jahren wurde er ein kontinuierlicher Helfer an der Alster. Mittlerweile hat er sein 25-Volunteer-Helden-T-Shirt bekommen, über das er sich gefreut hat “wie ein kleiner Junge” (O-Ton meiner Mutter). Mich macht es so glücklich, ihn immer wieder zufrieden auf Fotos und Veranstaltungen zu sehen. Bei Wind und Wetter radelt er samstagmorgens mit seinem Elektrofahrrad insgesamt 18 km, nur um bei parkrun als Helfer dabei zu sein. Etwas Gemeinsames mit ihm zu haben, wenn auch in verschiedenen Städten, das verbindet. Es macht Spaß, sich mit ihm über die Samstagserlebnisse auszutauschen. Ein gemeinsamer parkrun, wenn ich mal Zuhause bin, ist dann ein persönliches Highlight. Wenn ich reise, schaue ich auch immer nach parkrun-Standorten, mein Freund lächelt dann wissend. Mindestens einen Standort möchte ich im Ausland besuchen. Am besten mehrere!

 
2018 wurde ich gefragt, ob ich “Ambassador” (Botschafter*in) für neue Standorte werden möchte. Na klar! Durch parkrun – und insbesondere den Besuch der neuen Standorte und die Unterstützung beim Aufbau – habe ich tolle Menschen kennengelernt. Ich habe bei einigen vor der Standorteröffnung oder bei parkun-Besuchen übernachten dürfen und sie privat kennengelernt. Sehr oft wurde ich wie eine alte Freundin oder ein Familienmitglied empfangen. Niemals hätte ich solche Herzlichkeit von Menschen erwartet, die ich vorher nicht kannte. Aber es stimmt – parkun verbindet!

 
Letztes Jahr traf mich ein erneuter Schicksalsschlag, eine neue Diagnose, weitere gesundheitliche Einschränkungen. Viele tolle Menschen, die ich durch parkrun kennen gelernt habe, geben mir auch jetzt Kraft, sind an meiner Seite. Durch parkrun gehöre ich ganz normal dazu – zu den Sportlern, zu einem Team, zu Menschen, die für ein gemeinsames Ziel ihr Bestes geben. Sie sehen mich mit meinen Fähigkeiten, Eigenschaften, Bedürfnissen, meinem Wissen und meinem Engagement. Sie sehen meine Freude, meine Einschränkungen und meine Erfolge.

 
Dabei sollten wir Erfolge wie meine, bzw. der “Eingeschränkten” mehr feiern: Vor allem die langsamen Läufer*innen (oder Geher*innen) brauchen mehr Anerkennung für ihre Leistungen! Die schnellen Läufer wissen oft gar nicht, wie sehr “die da hinten” sich aufraffen und anstrengen müssen, um da anzukommen, wo sie sind. Wer schon einmal eine OP hatte, wer vielleicht Probleme mit Knie, Hüfte oder Rücken hatte, der weiß, wovon ich spreche. Lasst uns ab jetzt jeden Teilnehmer*in mit körperlichen oder sonstigen Einschränkungen ganz besonders bejubeln!—-und ermutigt insbesondere diese mitzumachen, bringt sie mit. Damit noch mehr “ganz normal” dazugehören. Das wünsche ich mir.

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