Nachrichten - 17th June 2020

Ein erster parkrun als Anfang der Globe-Geschichte

1. Probelauf 2029 02 09

Gabi Schirmer aus Schwäbisch Hall erzählt von ihrem ersten parkrun, der gleichzeitig auch der Anfang der parkrun-Geschichte des Standortes Schwäbisch Hall war:

 

Das erste Mal von parkrun habe ich im Spätherbst 2018 gehört als mich Helen Proctor ansprach, ob sie mich in die Facebook Gruppe „bringing parkrun to Schwäbisch Hall“ aufnehmen darf. Selbstverständlich durfte sie das, denn es verpflichtete mich ja zu nichts.

 

Kurz darauf suchte sie nach Mitstreitern, die mit ihr einen parkrun nach Schwäbisch Hall bringen würden. Wir kannten uns nur flüchtig, aber ich wollte ihre Frage nicht unbeantwortet lassen. Doch wie sollte ich ihr sagen, dass ich die Idee an sich toll finde, aber das Ganze nichts für mich ist? Im Sommer bin ich bei schönem Wetter schon vor 9 Uhr auf dem Rad, um schöne lange Rennradtouren zu machen. parkrun um 9 Uhr ist dann viel zu spät. Im Winter bin ich um 8 Uhr im Schwimmbad, um meine 1.500 m zu schwimmen und anschließend im Dampfbad zu dehnen. parkrun um 9 Uhr ist dann zu früh. Und das alles für gerade mal 5 km? Da lohnt es sich ja gar nicht, die Laufschuhe anzuziehen.

 

Also traf ich mich mit Helen, um ihr mitzuteilen, dass ich mich nicht einbringen möchte, zumal ich ja auch im Dreikönigslauf Orga Team bin. Am 11. Januar lud Helen über Facebook und die lokale Zeitung zu einem Treffen ins Café Ableitner ein. Ich habe mich nicht gemeldet, denn ich wollte mich nach wie vor nicht verpflichten und hielt mir so die Teilnahme offen.

 

Warum ich dann doch hingegangen bin – und sogar aufs Schwimmen verzichtet habe – das weiß ich bis heute nicht. Ich war überrascht, dass doch einige Leute Helens Aufruf gefolgt waren und vor allem auch, Ina anzutreffen. Ina ist eine total engagierte Lehrerin, die auch seit ein paar Jahren immer beim Dreikönigslauf im Helfereinsatz ist.

 

Ich habe Helen erst mal einfach nur zugehört. Ihrer Geschichte, wie sie verzweifelt vor ihrem Umzug von England nach Deutschland versucht hat, über das Internet einen offenen Lauftreff zu finden, durch den sie schnell Freunde in ihrer neuen Heimat finden würde und so auch schneller Deutsch lernen würde. Es gab einfach nichts. Fasziniert folgte ich dann den Erläuterungen über die parkrun-Philosophie.

 

Nach diesem ersten kurzen Treffen war ich euphorisiert und wusste, diese Initiative möchte ich mit unterstützen, das ist eine tolle Sache!

 

Schon zwei Wochen später sind wir zu viert nach Stuttgart zum Kräherwald parkrun gefahren, denn wir hatten ja keine Ahnung, wie sich so ein parkrun anfühlt und was da auf uns zukommen würde. War das schön! Wir wurden sofort in die Gemeinschaft aufgenommen. Chris Greenaway, parkrun Botschafter, war auch da. Er wurde schon bald ein wichtiger Impuls- und Ratgeber für uns.

 

 

parkrun team

 

 

Nach dieser Erfahrung machten wir uns in Schwäbisch Hall an die Arbeit und suchten eine geeignete 5-km-Strecke für “unseren” parkrun. Das war gar nicht so einfach. Noch nie zuvor war ich so viel in den Ackeranlagen unterwegs und kannte bald jeden Winkel. Letztendlich haben wir dann eine 5-km-Runde gefunden. Start sollte inmitten des Parks am Anlagencafé sein.

 

Wir luden zu einem ersten Probelauf am 9. Februar 2019 ein. Und siehe da, es kamen 18 Läuferinnen und Läufer. Das bestärkte uns natürlich ungemein, weil es das allgemeine Interesse zeigte. Wir beschlossen, dass wir uns ab jetzt inoffiziell jeden Samstag um 9 Uhr am Anlagencafé treffen, was sich als absolut sinnvoll erwies. Bald haben wir gemerkt, dass die Strecke suboptimal ist, zudem hat das Anlagencafé Samstagvormittags zu. So verlegten wir kurzerhand den Start-/Ziel-Bereich an das neue Haller Globe, ein Theatergebäude. Nach längeren Diskussionen haben wir uns für die jetzige Strecke entschieden.

 

Wir wollten am 11. Mai 2019 offiziell starten. Es kam anders als wir dachten: parkrun hat eine klare Vorgehensweise mit Vorgaben definiert. Eine davon war, dass wir eine Genehmigung von der Stadt brauchen, um einen parkrun durchführen zu dürfen. Wir waren so sehr von der parkrun-Initiative überzeugt und ganz sicher, die Stadt würde das mit Freuden genehmigen – letztendlich ist parkrun ja definitiv eine Bereicherung für die Kultur- und Wirtschaftsstadt. Aber weit gefehlt…. Erstmal wurde unser Antrag abgelehnt mit der Begründung, dass Konflikte mit anderen Parkbesuchern und Radfahrern vorprogrammiert seien.

 

Was waren wir enttäuscht! Ab da trafen wir uns regelmäßig, um einen Aktionsplan zu erstellen, was wir tun können, um in Schwäbisch Hall einen parkrun zu bekommen. Denn einfach so hinnehmen wollten wir die Ablehnung nicht. Am 9. Mai 2019 saßen Helen, ihr Mann David und ich dann im Schwäbisch Haller Rathaus, um unser Anliegen persönlich dem Oberbürgermeister zu schildern. Wir waren sehr gut vorbereitet mit einer Präsentation, guten Argumenten und Fakten. Mit Erfolg! Wir bekamen das “Okay” vom Oberbürgermeister.

 

Inzwischen war uns aber bewusst, dass “gut Ding Weile braucht”, und wir haben den offiziellen Starttermin ganz bewusst erst auf Ende September 2019 gelegt, um uns auf den großen Event gut vorzubereiten.

 

Nachdem auch schon vor dem offiziellen Start Woche für Woche neue Teilnehmer kamen und diese die Strecke nicht kannten, haben wir provisorisch unsere eigene Beschilderung gebastelt. Auch das hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, denn so hatten wir Gelegenheit, ganz genau zu definieren, welche Schilder wir in welcher Anzahl brauchen würden.

 

Dann kam die Namensgebung. Eigentlich ganz einfach. Der Name des Parks plus parkrun. Also „Ackeranlagen parkrun“. Helen als Engländerin hat sich fast die Zunge abgebrochen. Daher haben wir für „Globe parkrun“ plädiert. Das ist einfach auszusprechen und symbolisiert darüber hinaus eines der Wahrzeichen von Schwäbisch Hall. Außerdem ist so der Startbereich einfach zu finden. Tatsächlich erhielten wir das Okay, unseren parkrun so nennen zu dürfen.

 

Und dann war er da, der große Tag! Am 28. September 2019 war der offizielle Start des Globe parkrun. Wir waren sehr aufgeregt! 55 Läuferinnen und Läufer waren da, darunter auch viele parkrun-Touristen sowie unsere Ratgeber Chris Greenaway und Jakub Fedorowicz.

 

Ab jetzt hatten wir die wöchentliche Herausforderung, genug Helfer zu haben, um den parkrun stattfinden zu lassen. Wie an vielen anderen Standorten auch wurden Woche für Woche die Aufgaben von ein paar wenigen Helferinnen und Helfern übernommen. Das ist auf Dauer anstrengend und belastend, denn man fühlt sich verantwortlich dafür, dass kein parkrun mangels Helfer abgesagt werden muss.

 

Ab dem Startschuss des Globe parkrun war ich fast im Helfer-Dauereinsatz und zum Laufen kam ich nur noch selten. Urlaube haben wir so gelegt, dass wir möglichst häufig da sein und helfen konnten.

 

Um das zu ändern, haben wir für den 22. März eine Gruppe an Leuten, von denen wir hofften, kreative Ideen zur Verbesserung der Helfersituation zu bekommen, zu einem Brainstorming-Meeting eingeladen. Aber wieder kam es anders.  COVID-19 hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt und wir mussten das Meeting absagen. Im Nachhinein gesehen war war das gut so.

 

Inzwischen haben sich so viele kreative Ideen ergeben, auf die wären wir sonst nie gekommen. So zum Beispiel die Initiative „Steine für den Globe parkrun“. Immer wieder kommt man mit Leuten ins Gespräch, die die mit so viel Herzblut bemalten Steine betrachten. So kann man ganz persönlich über die Emotionen und parkrun erzählen. Viele der Steine vermitteln auch eine Botschaft. Ich selbst habe bereits über 100 Steine bemalt. Als in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni mehr als 30 Steine verschwunden waren, hat mein Herz geblutet. Den Kopf in den Sand stecken? Bestimmt nicht. Sofort wurden neue Steine gesammelt und gemalt, so dass die Lücken fast schon wieder geschlossen sind.

 

 

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Eine weitere Aktion war die Beschilderung der Strecke mit Steinen. Ich habe gefühlte Tonnen an Steinen gesammelt, im Rucksack nach Hause geschleppt, mit Richtungspfeilen bemalt und dann wieder in den Park geschleppt und an den Schlüsselstellen hingelegt.

 

 

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Auch der sogenannte “Actionbound „Globe parkrun – Strecke finden“ von Ina Rübenstrunk ist eine tolle Sache: Man registriert sich bei Actionbound, öffnet den Bound über den QR Code und wird so von Wegpunkt zu Wegpunkt geleitet. Ina hat viele Erläuterungen, aber auch Zusatzaufgaben eingebaut. Mit dem Bound kann man die Globe parkrun Strecke kennenlernen, um dann auch als parkrun Neuling einen freien parkrun Lauf zu absolvieren. Auch wie das geht, ist in dem Bound genau erläutert.

 

 

Actionbound

 

 

Auch habe ich die Freedom Runs für mich als Motivation entdeckt. Seitdem parkrun pausieren muss, habe ich über 65 freie parkrun Läufe absolviert. Da ich ganz in der Nähe vom Start-/Zielbereich arbeite, gehe ich oft direkt nach der Arbeit zum Start. Immer wieder treffe ich Bekannte, darunter auch parkrun Teilnehmer*innen. Das ist jedes Mal schön und verbindet.
Die Corona Pandemie hat mich in meiner Überzeugung bezüglich parkrun mehr als gestärkt. Ich habe in den letzten Wochen ganz viele positive Erlebnisse und Gespräche gehabt, durch die ich neue Energie und einen Motivationsschub in jeder Hinsicht bekommen habe. Ich bin mir ganz sicher, dass die Krise die parkrun Gemeinschaft, lokal wie global, zusammengeschweißt hat. Auch möchte ich mich an dieser Stelle bei parkrun global für die tolle Arbeit und die Unterstützung bedanken. Eine einheitliche, maßvolle Vorgehensweise ist wichtig und richtig. DANKE!

Gabi Schirmer A5333721

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