Nachrichten - 18th November 2020

Australien im Rampenlicht

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Die parkrun-Familie umfasst weltweit 22 Länder und wir schauen uns einige davon genauer an.

 

Diese Woche geht es um Australien! Wir machen eine Ausflug nach Down Under, um die Geschichte und das Wachstum von parkrun in diesem weitläufigen und wunderschönen Land zu entdecken.

 

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Australien ist groß. Sehr groß. Es ist ein Land und auch ein Kontinent.

 

Eine Karte des Vereinigten Königreichs passt 32 Mal in Australien, und die Buschfeuer Anfang dieses Jahres haben ein Gebiet der Größe Englands verbrannt.

 

Der Highway 1 rund um die Außengrenzen des Landes ist 14.479 Kilometer lang, d.h. jede kürzere Strecke ist “einfach nur die Straße entlang”. Zufälligerweise ist der Highway 1 genau so lang, wie die Strecke von Großbritannien nach Australien.

 

parkrun kann auch ein ziemlich angsteinflößender Ort sein. So geht zum Beispiel die Cairns-parkrun-Strecke an einem Schild vorbei, das die Leute warnt, auf Krokodile zu achten. Es ist der einzige parkrun auf der Welt, wo man am Start eine Marke bekommt und sie am Ziel wieder abgibt, nur um sicherzugehen, dass alle heil zurück sind.

 

Cairns croc signEine typische verlorengegangene parkrunnerin. Foto: Cairns parkrun Facebook-Seite.

 

Doch trotz der Größe Australiens gibt es im Durchschnitt nur drei Einwohner pro Quadratkilometer und drei Schafe pro Person.

In diesem rauen und lebhaften Land gab es dennoch einige verblüffende und bizarre Momente. Darunter sind z.B. ein Premierminister, der wie Houdini verschwand und nie wieder auftauchte, der Große Australische Vogelkrieg, in dem die Menschen eine demütigende Niederlage gegen eine gut vorbereitete Armee von Emus erlitten und der umherirrende Zeitnehmer, der versehentlich die Stoppuhr beim Coomera-parkrun ausschaltete.

 

Solche Ereignisse könnten erklären, warum die Australier weltweit am häufigsten Zeitung lesen!

 

Australien bietet wirklich Bemerkenswertes, Albernes und Großartiges. Wie könnte man also besser eine Dosis davon bekommen, als auf einer Reise durch die Geschichte von parkrun Australien? Schließlich wurden sowohl Google Maps als auch das drahtlose Internet Down Under erfunden, was heißt, dass Du eine weitaus bessere Chance hast, den Weg nach Hause zu finden, als Burke und Wills.

 

Fluffy nambourFluffy der Emu, dessen Vorfahren im Großen Vogelkrieg von 1932 gewannen, hilft in den meisten Wochen freiwillig beim Nambour parkrun.

 

Einen Rahmen abstecken

 

Wenn wir uns in den April 2011 zurückversetzen, als Main Beach an der Goldküste der erste parkrun auf der Südhalbkugel wurde, war Australien wie geschaffen für eine kostenfreie, auf Gemeinschaft ausgerichtete Bewegung, die auf körperlicher Aktivität und sozialer Verbundenheit basiert. Queensland hatte gerade die schlimmsten Überschwemmungen in der australischen Geschichte erlebt, und der Norden des Landes war vom schweren tropischen Zyklon Yasi, dem teuersten Sturm in der Geschichte des Landes, verwüstet worden. Die Auswirkungen von Yasi waren so stark zu spüren, dass Meteorologen seinen Namen auf der Liste der Namen tropischer Wirbelstürme im Südpazifik löschten und ihn durch Yvone ersetzten.

 

Es ist kein Zufall, dass die größten “Freizeit-Laufbooms” des vergangenen Jahrhunderts direkt mit schweren wirtschaftlichen Krisen in Verbindung gebracht werden können: Die Weltwirtschaftskrise in den 20er und 30er Jahren, der Wall Street Crash in den 80er Jahren und die weltweite Finanzkrise in den späten 2000er Jahren.
Weniger verfügbares Einkommen, mehr Zeit für körperliche Aktivität, die auch psychologische Vorteile hat, kombiniert mit der Auffrischung des sozialen Kapitals, schaffen ein ideales Umfeld für eine rege Beteiligung.

 

Als 115 unerschrockene parkrunner Anfang 2011 ihre ersten zaghaften Schritte an einem Strand in Queensland unternahmen, hatten sich viel harte Arbeit und eine Prise Glück zusammengetan, um eine Plattform für parkrun zu schaffen.

 

Der Main Beach Standort
Die Goldküste verfügt über das größte Kanalsystem der Welt, das umfangreicher ist, als das von Venedig und Amsterdam zusammen. Sie ist auch die Heimat von 10 parkruns, von der Strandstrecke auf Schotterwegen in Main Beach bis zu den grasbewachsenen Hügeln des Tamborine Mountain parkruns, der hoch oben im alten subtropischen Regenwald von Gondwana liegt und auf die anderen neun Veranstaltungen herabblickt.

 

main beach 1Die Eröffnung von Main Beach parkrun

 

Der Main Beach parkrun startete am 2. April 2011 mit 115 Teilnehmern unter der Leitung John Borrbidge, der Anfang des Jahres nach einem langen Kampf gegen den Krebs leider verstarb.

 

John sagte immer, dass das Großwerden von parkrun ihm genau das gab, was er zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben suchte. Er war vor kurzem an die Goldküste gezogen und suchte an seinem neuen Wohnort eine Laufgruppe. Deshalb antwortete er auf eine Zeitungsanzeige von Tim Oberg, CEO von parkrun Australien, der parkrun aus Großbritannien kannte, und entschlossen war, es in Australien einzuführen.

 

“Tim suchte nach einem ersten Veranstaltungsleiter für Main Beach parkrun”, erinnert sich John. “Als ich auf die Anzeige stieß, war ich gerade anderweitig beschäftigt, aber das war definitiv eine Option, die untersucht werden musste.

 

“Wir hatten also ein Treffen – Tim, ein Typ namens Brendan Murray, (die australische Lauflegende) Ron Clarke und ich — und dies war der Anfang. Wir machten uns auf den Weg nach Main Beach, Tim zeigte uns, wie die Zeitmessung funktioniert und so weiter, und los ging es.”

 

Renee Gimbert, die mit ihrem Mann Adam an der ersten Austragung teilnahm, beschrieb sich selbst als “alles andere als eine Läuferin!”

 

“Wir meldeten uns an, ohne wirklich zu wissen, was uns erwartete und das verband uns mit einem Ort an der Goldküste, an dem wir zuvor noch nie gewesen waren. Die Atmosphäre war sehr einladend und die Veranstaltung hatte eindeutig große Unterstützung von den lokalen Behörden. Ich schaffte es, fast die gesamte Strecke ganz langsam zu joggen. Das war für mich ein großes Erfolgserlebnis und motivierte mich, in der nächsten Woche wieder hinzugehen.”

 

Die Gimberts waren nicht die Einzigen, die fasziniert waren von diesem wunderbaren Konzept, das in einer hübschen Ecke des Sunshine State entstanden war. So dauerte es nicht lange, bis sich auch Brisbane hinzugesellte und weniger als fünf Monate später den New-Farm-parkrun ins Leben rief.

 

Konkurenz aus den anderen Staaten

 

New Farm war ein kleiner Schritt für parkrun. Der dritte Standort war hingegen ein Riesen-Schritt: Albert parkrun in Melbourne wurde 1700 Kilometer entfernt in Victoria eröffnet. Die Wurzeln von Albert parkrun in Melbourne lagen jedoch noch weiter entfernt, nämlich in Hull in Großbritannien.

 

“Ich flog von Australien nach Hause, um meine Familie in England zu besuchen, und nahm am Hull parkrun teil, der mir sehr gut gefiel. Als ich dann nach Melbourne zurückkehrte, erkundigte ich mich also, ob ich dort einen parkrun starten könnte”, sagt Carol Cunningham, die später die erste Veranstaltungsleiterin des Albert parkrun in Melbourne wurde.

 

“Das Konzept war einfach und mit nichts zu vergleichen, was ich bisher erlebt hatte. Ich hatte keine Erwartungen, ich wollte einfach nur die Atmosphäre wiederholen, die ich in Hull parkrun erlebt hatte. Ich wusste, wenn wir das schaffen, dann würden die Menschen ähnliche Freude daran haben.

 

AlbertAlbert Melbourne parkrun führt den legendären Albert Park Lake Path entlang

 

Zwei Jahre später zog Carol nach Singapur und nahm parkrun mit, wo sie im Juni 2014 East Coast parkrun startete.

 

Nachdem die Menschen in Queensland und Victoria ihre kostenlosen samstäglichen Veranstaltungen mit Zeitnahme und Kaffee danach genossen, war klar, dass man in der Mitte bald neidisch wurde. Und so dauerte es nicht lange, bis in Sydney im St. Peters Park die parkrun-Flagge zum ersten Mal in New South Wales gehisst wurde.

 

In St. Peters parkrun wurde auch das Wort “Hügel” in die australische parkrun-Sprache eingeführt, was zu geteilten Meinungen führte. Rutschige Abhänge wurden aber auch charakterbildend an Standorten wie Nambour, Cormorant Bay und Cleland.

 

Ginninderra parkrun wurde der erste Standort in der Hauptstadt und der sechste in Australien, als er im April 2012 startete. Ginninderra bedeutet in der traditionellen Sprache der Ngunnawal “kleine Lichtstrahlen aussenden”, eine perfekte Beschreibung für einen parkrun, der sich unter den Bäumen am Ufer eines Sees schlängelt.


achillesAchilles Australia unterstützt blinde und sehbehinderte Menschen beim Training und bei der Teilnahme an Lauf- und Walking-Veranstaltungen und hat eine lange und enge Verbindung zum Ginninderra parkrun.

 

Der wilde Westen und eine neue Grenze

 

Perth in Westaustralien ist die am meisten isolierte, aber auch die sonnigste Stadt der Welt, und sie hat den höchsten Prozentsatz an Millionären. Drei Tatsachen, die sie zum perfekten Ort für kostenlose, sozial ausgerichtete körperliche Aktivitäten im Freien machen.

 

Die Eröffnung von Claisebrook Cove parkrun in Perth im August 2012 signalisierte, dass parkrun wirklich eine neue Größenordnung erreicht hat. Auf Westaustralien folgten Launceston parkrun in Tasmanien und Torrens parkrun in Südaustralien später im selben Jahr, und als Darwin parkrun im Northern Territory 2013 zum ersten Mal Barcodes scannte, gab es parkrun in allen Bundesstaaten und Territorien.

 

In jeder Verwaltungseinheit einen parkrun zu absolvieren, wird jetzt im parkrun-Slang als ‘Peel Club’ bezeichnet, nach der Person, die dies als erstes geschafft hat.

 

Es war wohl im Jahr 2013, als die ersten beiden Australier, die jemals an einem parkrun in Großbritannien teilnahmen, zum ersten Mal auch an einem australischen parkrun teilnahmen. Der Australier Michael Clayton nahm zum ersten Mal im Oktober 2005 an einem parkrun beim Bushy parkrun in London teil, Melanie Cottell kam im darauf folgenden Jahr im Juli dazu.

 

Dennoch war es erst beim Torrens parkrun im Jahr 2013, dass sie ihre Barcodes auf heimischem Boden scannen ließen. Interessanterweise brauchte Melanie in Torrens genau so lange, wie sieben Jahre zuvor in Bushy – 28:52 min!

 

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Als am 26. Oktober 2013 vier australische parkruns gleichzeitig eröffneten, gab es mehr als 50 Standorte in vier Zeitzonen, und 5000 Kilometer lagen zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten sowie dem östlichsten und dem westlichsten davon. An jedem Samstag nahmen mehr als 10.000 Personen teil.

 

Und es gab noch viel mehr Orte, die Interesse an parkrun hatten. Strategisch gesehen, musste nun parkrun Australien seine Herangehensweise anpassen.

 

Am 31. Mai 2014 berief eine Gruppe von parkrun-Veranstaltungsleitenden ein zweitägiges Treffen ein, das unter dem Motto parkrun:2020 Summit stand. Die Gruppe verbrachte das Wochenende damit, die Zahlen zu besprechen und Prognosen zu erstellen, wo ihrer Meinung nach parkrun Australien im Jahr 2020 stehen würde und was sie tun könnten, um sicherzustellen, dass es auch gut dorthin gelangt.

 

Im Anschluss an diese Zusammenkunft wurden die Territory Directors eingesetzt, eine Rolle, die sich inzwischen zu Event-Botschaftern entwickelt hat. Inzwischen sind mehr als 150 engagierte Freiwillige als Botschafter*innen tätig. Sie helfen bei der Entwicklung neuer Standorte, unterstützen aber auch bestehende parkruns, stellen Anträge auf finanzielle Unterstützung, helfen bei sozialen Medien, halten den Kontakt mit der Community und erstellen Foto- und Videoinhalte.

 

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Die Etablierung dieser zusätzlichen Unterstützungsebene erwies sich als entscheidend. In den folgenden 12 Monaten verdoppelte sich die Größe der parkrun-Gemeinschaft in Australien mit 126 Standorten, die wöchentlich rund 15.000 Teilnehmende anzogen. Als Calamvale in Queensland im November 2014 Australiens 100. parkrun wurde, wurde dieses wunderbare Video mit Filmmaterial von allen 100 Standorten zusammengestellt.

 

Die Menschen hinter den Kulissen

 

Mittlerweile gibt es mehr als 400 Einträge auf der parkrun-Australien-Karte, bei denen 660.000 Menschen gelaufen, gejoggt oder gewalkt sind bzw. bei parkruns und Junior-parkruns geholfen haben. Hinter jedem dieser Punkte verbergen sich unzählige individuelle Geschichten, die nicht nur das Leben dieser Menschen, sondern auch das Leben von parkrun in Australien geprägt haben. Hier ist eine ganz kurze Geschichte der Highlights davon…

 

2014

 

Der Newsletter von parkrun Australien berichtete im April 2014 über Chris Smith, der an diesem Wochenende in Newy seinen 50. parkrun gefeiert hatte.

 

Andrew Dodd erklärte: “Chris absolvierte seinen ersten parkrun am Neujahrstag 2013 in knapp einer Stunde und brach an der Ziellinie in Tränen aus. Dave Robbo und ich standen in der Nähe und dachten, er hätte vielleicht seinen Barcode unterwegs verloren!

 

Als wir mit ihm sprachen, stellte sich heraus, dass dieser sehr übergewichtige Mann, total davon überwältigt war, dass er soeben einen 5-km-Walk beendet hatte. Er war gerade am Beginn eines Abnehmprogramms und hat seither mehr als 50 kg verloren, wobei der parkrun zu einem wichtigen Teil seines Fitnessprogramms geworden ist”.

 

Am selben Tag wurde auch Terry Baker vom Campbellton parkrun, ein Typ-2-Diabetiker, in den parkrun-50-Club aufgenommen.

 

Im darauffolgenden Monat gab es bei parkrun Australien den allererster Heiratsantrag, als der sehr schnelle Nick Marriage (ja, er heißt wirklich so) als erster in 16:50 die Ziellinie überquerte, sich hastig einen Anzug anzog und auf die Knie sank, um Maddy Herbert einen Heiratsantrag zu stellen, als sie in 20:37 die Ziellinie überquerte. Für das Protokoll: Maddy sagte ja!

 

Etwa zur gleichen Zeit kam Sandgate-parkrunner Phil Rourke groß raus, als er versuchte, einen neuen Guinness-Weltrekord im Eierlaufen über 5 km aufzustellen. Zum Glück war Phil an diesem Tag richtig gut drauf und stellte den Rekord in einer Zeit von 20 Minuten 30 Sekunden auf.

 

2015

 

Von einem Weltrekordhalter nun zu etwas anderem, noch Bemerkenswerterem: Im Juni 2015 wurde nach dem Tod der australischen Lauflegende und Schirmherr von parkrun Australien, Ron Clarke, eine weitaus andächtigere Feier begangen.

 

Ron war wohl der größte australische Leichtathlet aller Zeiten. Über einen bestimmten Zeitraum in den 1960er Jahren hielt er alle Weltrekorde zwischen zwei Meilen und 20 Kilometern. 1965 brach er auf einer 44-tägigen Europatournee erstaunliche zwölf Weltrekorde, eine Leistung, von der wir mit Sicherheit sagen können, dass sie sich nie wiederholen wird.

 

Um es in den Kontext zu stellen: Rons schnellste Zeit über 5 km war 13:16 im Jahr 1966. Der parkrun-Weltrekord liegt bei 13:48.

 

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Ron war Bürgermeister an der Goldküste, als parkrun Australien startete. Er nahm als Gaststarter an der Eröffnung von Main Beach parkrun teil, walkte die Strecke (und vergaß seinen Barcode!).

 

Als Ron im folgenden Jahr vom Bürgermeisteramt in den Ruhestand ging, wurde er der erste Schirmherr von parkrun Australien und war von da an bis zu seinem Tod drei Jahre später ein überzeugter Befürworter und Unterstützer von parkrun. Der parkrun nach Rons Tod wurde als #parkRon bezeichnet, womit parkrunner im ganzen Land einem großen Mann Tribut zollten.

 

Währenddessen vollbrachten die unglaublichen Füße von parkrunner Gary Wilmot eine unglaubliche Leistung und trugen ihn buchstäblich von Küste zu Küste. Gary Wilmot begann am 16. Mai in seinem Heimat-parkrun Canning River in Perth und ging 5.583 Kilometer bis zur anderen Seite des Landes und sammelte damit 27.000 Dollar für wohltätige Zwecke.

 

Auf seiner denkwürdigen Reise kam er durch Kalgoorlie-Boulder parkrun, den Torrens parkrun in Adelaide, den Albert parkrun in Melbourne, den Gungahlin parkrun im Australian Capitol Territory und den St. Peters parkrun in Sydney. Nach 126 Tagen beendete er sein Abenteuer mit einer “5 km Ehrenrunde” am 19. September im South Bank parkrun in Brisbane.

 

2016

 

Das nächste Jahr brachte eine weitere Welle von unglaublichen parkrun-Kunststücken, die jeweils auch die ersten ihrer Art waren!

 

Brian Peters von der Goldküste war der erste Australier, der dem berühmten parkrun-250-Club beitrat. Brian war beim Eröffnungsparkrun in Main Beach und hatte kaum eine Woche versäumt. Außerdem hat er 45 mal geholfen. Alfie und Boaz Bonar waren die jüngsten Zwillinge der Welt, die ihren 100. parkrun absolvierten — mit 6 Jahren, 2 Monaten und 27 Tagen.

 

Am anderen Ende der Skala war Norman Phillips aus Brightwater parkrun an der Sunshine Coast der erste Mensch von über 90er Jahren, der dem parkrun-100-Club beitrat. Er war rüstige 92 Jahre alt! Dieses Video zeigt Norman beim Erreichen des Meilensteins.

 

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2017

 

Norma Wallett vom Bowral parkrun im südlichen Hochland von New South Wales wurde im Alter von 88 Jahren als älteste Frau in den 100er Club aufgenommen. Norma erreichte im Oktober 2019 im Alter von 90 Jahren mit 35:37 den höchsten Prozentsatz der alterskorrigierten Leistung bei einem australischen parkrun.

 

Während Norma nicht langsamer zu werden schien, hauchte Brett Orpwood vom Mullum Mullum parkrun in Victoria der parkrun-Bewegung in Australien neues Leben ein, als er zeigte, wie wichtig es ist, sicherzustellen, dass alle Veranstaltungen Zugang zu einem Defibrillator. Brett war während eines parkruns zusammengebrochen und für 15 Minuten bewusstlos.

 

Dank einiger sofort reagierender parkrun-Ersthelfer, die eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführten und den Defibrillator des Ereignisses einsetzten, stabilisierte ein Notarzt-Team Brett, bevor sie ihn ins Krankenhaus brachten und ins Koma versetzten.

 

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Zum Erstaunen seines Ärzteteams verließ Brett das Krankenhaus nach einem Herz-MRT, EKGs, einem Hirnscan und Röntgenaufnahmen nach nur 12 Tagen. In der Zwischenzeit war es Weihnachten geworden, und Brett verließ das Krankenhaus mit einem besonderen Geschenk – einem eigenen Defibrillator, der mit seinem Herzen verbunden war, um ihm zu helfen, sollte er jemals wieder einen Herzstillstand erleiden.

 

Neue parkruns dürfen nur mit einem Defibrillator starten und müssen $2000 für die Anschaffung eines solchen Geräts aufbringen. Brett wollte mit einer Spendenkampagne dazu beitragen, sein beinahe tragisches Ereignis in eine positive Entwicklung für parkruns in Australien umzuwandeln. Er sammelte genug Geld für 20 Defibrillatoren, und bis Juni 2018 hatte jeder parkrun im Land Zugang zu einem Defibrillator.

 

Damals trafen wir Ada Macey zum ersten Mal, eine transsexuelle parkrunnerin, die drei Jahre zuvor mit dem parkrun begonnen hatte, nachdem sie ein Lauf-Programm für Anfänger absolviert hatte. Ada liebte parkrun so sehr, dass sie Veranstaltungsleiterin bei den Chermside und Kedron parkruns in Brisbane wurde.

 

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Ada offenbarte sich im Jahr 2017 ihren engen Familienangehörigen und Freunden und begann mit der Geschlechtsumwandlung, dem Prozess, den transsexuelle Menschen durchlaufen, um als das Geschlecht zu leben, als das sie sich identifizieren.

 

Ada schrieb offen und leidenschaftlich für den parkrun-Blog darüber, wie sie nach ihrem Coming-out nichts anderes als überwältigende Unterstützung und Akzeptanz seitens der parkrun-Gemeinschaft erlebt hatte, und erklärte die verschiedenen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert war.

 

Ada hat die parkrun-Zentrale auch später bezüglich der Unterstützung der Teilnahme von transsexuellen parkrunner*innen beraten, und ihre Beiträge und Erkenntnisse haben sich als unschätzbar wertvoll erwiesen.

 

2018

 

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parkrun Australien war maßgeblich an der Durchführung der Kampagne “Girls Make Your Move” des Bundesgesundheitsministeriums beteiligt, die darauf abzielte, Mädchen im Teenageralter zu körperlicher Aktivität zu ermutigen. Sie umfasste einen nationalen Einführungstag im April mit Aktivitäten in South Bank (Brisbane), Diamond Creek (Melbourne), Torrens (Adelaide), Cooks River (Sydney), Burley Griffin (Canberra) und Rockingham (Westaustralien).

 

Australien hält seit 2011 den Rekord an weiblicher Beteiligung an parkrun, indem mehr Frauen als Männer walken, laufen oder als freiwillige Helfende teilnehmen. Und nicht nur das, auch unter allen Teilnehmenden sind Frauen öfter vertreten als Männer.

 

junior parkrun startete im April 2018 in Australien. Dabei handelt es sich um 2 km lange Runden für 4-14-Jährige und ihre Familien. Auf den Southport Junior parkrun an der Gold Coast folgten in den Pfingsttagen die Westerfolds-Junioren in Melbourne und Cannonvale.

 

Aufgrund des Erfolgs dieser Veranstaltungen und nach gründlicher und sorgfältiger Abwägung will parkrun Australien nun weitere Junior-parkrun-Veranstaltungen überall im Land starten, wobei bereits sechs zukünftige Standorte identifiziert wurden.

 

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2019

 

2019 war ein bahnbrechendes Jahr für parkrun Australien, das mit der Einrichtung des Büros der Organisation an der Goldküste begann, nur einen Steinwurf vom Standort des ersten parkruns des Landes entfernt.

 

Zu guter Letzt stellte die Olympiateilnehmerin Lisa Weightman einen neuen parkrun-Rekord für Frauen auf und flog in 15:54 um den parkrun von Maribyrnong.
Hier kannst Du Lisa’s Schlussspurt sehen.

 

Eine Umfrage unter 3000 in Australien ansässigen Gesundheitsfachleuten ergab, dass 70 % ihren Patienten parkrun verschreiben, und zwar als Alternative oder in Ergänzung zu bestehenden Behandlungen. 87 % derer, die parkrun bisher nicht verschrieben haben, gaben an, dass sie gerne von parkrun unterstützt werden möchten.

 

Die Ergebnisse der Umfrage führten zur Einrichtung einer Reihe von Versuchs-”parkrun-Praxen” im ganzen Land, die Hausarztpraxen mit ihrem lokalen parkrun in Verbindung bringen, um die Einführung von Patienten in parkrun zu erleichtern.

 

parkrun_scriptMickie Mouse bekommt parkrun vom Hausarzt verschrieben

 

Diese speziellen Verbindungen gibt es zu verschiedenen Arten von “Gemeinschaften”, darunter auch in Justizvollzugsanstalten in Victoria, Südaustralien, Westaustralien, Tasmanien und Queensland.

 

Im Jahr 2019 wurde parkrun in neun Strafvollzugsanstalten gestartet, darunter im ersten Frauengefängnis der Welt, im Wandoo Rehabilitationsgefängnis in Perth, und im Brisbane Women’s Correctional Centre, dem weltweit einzigen Untersuchungsgefängnis, das parkrun eingeführt hat.
Mehr als 1.100 Insassen und Mitarbeitende haben inzwischen parkruns in Justizvollzugsanstalten absolviert. 347 davon waren als Freiwillige tätig.

 

Freiwillige aus dem ganzen Land berichteten weiterhin, wie sie durch das Helfen bei ihrem örtlichen parkrun gesünder, glücklicher, sozial besser vernetzt und in ihren Gemeinschaften aktiver wurden. Im Gegenzug feierten die Gruppen vor Ort den Beitrag der Freiwilligen.

 

Gerry Lovett vom Diamond Creek Parkrun in Victoria hatte 29 parkruns absolviert, bevor er die 5-km-Strecke aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zurücklegen konnte. Stattdessen wurde Gerry Lovett zu einem integralen Bestandteil seiner örtlichen parkrun-Gemeinschaft und half über 70 Mal. Zu seinem 80. Geburtstag wurde eine große parkrun-Party ausgerichtet.

 

“Es ist mir egal, welche Rolle ich übernehme, solange ich dabei bin”, sagte Gerry. “Es ist so eine tolle Gemeinschaft. Einige meiner wunderbaren Freunde sind dort und natürlich habe ich auch einige neue Freunde gefunden, seit ich dabei bin”.

 

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Bis Ende 2019 hatten sich seit Beginn von parkrun in Australien im Jahr 2011 fast 50.000 verschiedene Menschen als Helfende engagiert.

 

Im Jahr 2019 wurden die australischen parkrun-Strecken über 224.000 mal als Walks absolviert. Das heißt, dass mehr als 10% der Teilnehmenden bei parkrun walken. Darüber hinaus wurden in Australien erstaunliche 183.000 parkruns von Menschen absolviert, die sich bei der Registrierung als körperlich inaktiv einstuften.

 

Folglich hat sich die durchschnittliche Zielzeit der parkruns in Australien seit 2011 jedes Jahr verlangsamt, von 27:42 auf 33:29 im Jahr 2019, eine Zahl, auf die wir alle unglaublich stolz sein sollten.

 

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2020

 

Für viele parkrun-Standorte im ganzen Land begann das Jahr 2020 unter einem ominösen Schleier aus Qualm und Unsicherheit bzw. begann überhaupt erst Ende Januar oder Anfang Februar.

 

Feuer, Straßensperren, schlechte Luftqualität und die Notwendigkeit unsere Freiflächen für Notfalleinsätze zu nutzen, führten dazu, dass 10 % der parkruns im ganzen Land Veranstaltungen absagen mussten, mehrere über längere Zeit, wie z.B. der Braidwood Showground parkrun in New South Wales, der 11 Wochen lang geschlossen war.

 

Schließlich wich die Trockenzeit den Überschwemmungsregen, und der Parkrun von Dubbo im Bundesstaat New South Wales zeigte, wie ein paar Tropfen Regen einen riesigen Unterschied für eine parkrun-Strecke machen können!

 

Screenshot 2020-01-15 at 11.24.50Dubbo parkrun im Jahr 2016 (unten) und 2020 (oben)

 

Es ging allerding nicht überall nur langsam los, denn Liam Adams stellte in 14 Minuten und 13 Sekunden einen neuen parkrun-Rekord für Australien auf. Einige Wochen später lief Liam den Lake-Biwa-Marathon in einer persönlichen Bestzeit von 2:10:48, was gut genug für die Qualifikation war, um Australien bei den Olympischen Spielen in Tokio zu vertreten.

 

Die 90-jährige Colleen O’Shea trat dem 250er-Club im Fingal Bay parkrun in New South Wales bei, während Vivienne Singleton, die in ihren 70ern ist, ihren 50. “parkwalk” im Burley Griffin parkrun in Canberra absolvierte und dem violetten T-Shirt, das sie sich bereits verdient hatte, ein rotes Meilenstein-T-Shirt hinzufügte.

 

Vivienne begann im Jahr 2014 mit parkrun, als sie übergewichtig war, eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert bekam und Probleme mit ihrer Atmung hatte.

 

Die Zukunft

 

Während der parkrun Australien im Jahr 2021 rasch auf sein 10-jähriges Jubiläum zugeht, überdenkt parkrun die Art und Weise, wie man die 400 Gemeinden und Hunderttausende von Walkenden, Laufenden und Freiwilligen in diesem riesigen Land unterstützen kann, um gesünder und glücklicher zu werden.

 

Die gegenwärtigen Umstände mögen unvorhergesehen sein, die Unsicherheit und die lang anhaltenden wirtschaftlichen, physischen und psychologischen Auswirkungen sind es jedoch nicht. So wie parkrun im Jahr 2011 ein Bedürfnis der australischen Gesellschaft befriedigt hat, wird es eine entscheidende Rolle dabei spielen, dem großen Land im Süden wieder auf die Beine zu helfen.

 

Jeder wirtschaftliche Abschwung in der Geschichte hat zu einem Boom des Freizeitlaufens geführt, und es besteht kein Zweifel, dass auch in diesem Fall mehr Menschen walken, joggen, laufen, zuschauen und sich gegenseitig unterstützen werden, wenn wir über den Berg sind.

 

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