Nachrichten - 17th March 2021

Kann ich mein Bein irgendwo lassen, bitte?

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Major Kate Philp, eine ehemalige Offizierin der königlichen Armee, verlor im Jahr 2008 im Einsatz ihr linkes Bein unterhalb des Knies. Jetzt gehört sie zum Kernteam von Marlborough parkrun und erzählt uns von ihrer inspirierenden parkrun-Reise.

 

“Kann ich mein Bein hier irgendwo lassen, bitte?”

 

Das ist wahrscheinlich keine Frage, die den Freiwilligen normalerweise vor einer parkrun-Veranstaltung am Samstagmorgen gestellt wird. Zu meinem Glück habe ich sie der wunderbaren Cat gestellt, die sie mit einem von ganzem Herzen fröhlichen und begeisterten “Natürlich, ich passe darauf auf!” antwortete.

 

parkrun trat im September 2018 in mein Leben, als in meiner Heimatstadt Marlborough in Wiltshire ein Standort eröffnet wurde. Ich kannte parkrun von anderswo in Großbritanniens schon seit Jahren, hatte aber nie teilgenommen, weil mein Leben während meines Dienstes in der Armee an den Wochenenden eher flüchtig war. Normalerweise besuchte ich Freunde oder Familie in verschiedenen Teilen des Landes, und meistens war ich am Samstagmorgen ein wenig “geschafft”, weil ich am Abend zuvor zu viel getrunken hatte!

 

Dann wurde ich Ende 2008 bei meinem Einsatz in Afghanistan so schwer verletzt, dass man es als “lebensverändernd” bezeichnen kann und dazu führte, dass der untere Teil meines linken Beins amputiert werden musste.
“Lebensverändernd” hat im Zusammenhang mit Verletzungen meist einen negativen Beigeschmack, aber nicht für mich. Ich hätte mir zwar nicht gewünscht, dass es so passiert, aber ich bereue es auch nicht. Meine unmittelbaren Gefühle konzentrierten sich auf Dankbarkeit und Zuversicht. Ich bin dankbar dafür, am Leben zu sein und dafür, dass ich kurz darauf wieder sicher nach Großbritannien zurückkehren konnte. Mir ist sehr bewusst, dass ich noch viel schlimmere Verletzungen hätte erleiden können, als ich während meiner Rehabilitation von Menschen umgeben war, die zwei oder drei Gliedmaßen verloren oder eine Hirnverletzung erlitten hatten.

 

Aber der hauptsächliche Grund dafür, die Geschichte nicht ändern zu wollen, ist wegen der Menschen in meinem Leben, die jetzt nicht da wären, wenn ich nicht verletzt gewesen wäre: diejenigen, mit denen ich durch die Reha gegangen bin, diejenigen, mit denen ich an einer Expedition in die Antarktis teilgenommen habe, und “meine” parkrun-Familie. Ich denke, ich wäre so oder so zu parkrun gekommen, aber wahrscheinlich wäre es nicht in Marlborough gewesen und es hätte nicht die Frage “Wo kann ich mein Bein lassen?” gegeben, durch die ich mich so willkommen und als Teil des Teams fühlen durfte.

 

Seit meiner Verletzung hatte ich eine frustrierende Ja-Nein-Beziehung zum Laufen. Dennoch habe ich es geschafft, eine Bestzeit nach der Verletzung zu erreichen. Es ist erstaunlich, wie viel zusätzliche Energie es geben kann, wenn man Teil einer unterstützenden Gruppe ist (und vielleicht auch einen Hauch von Wettkampfgeist verspürt!).

 

Walking With The Wounded

 

Dennoch ist es das Helfen, was mich wirklich glücklich macht. Ich habe mich regelmäßig als Freiwillige gemeldet und mich selbst in das Kernteam der Helfenden aufgenommen — ich war schon immer ein Mauerblümchen! – und habe so viel Freude und Befriedigung dabei erfahren, neue feste Freunde zu finden, Stammgäste, Neulinge und parkrun-Touristen, auf unserer trügerisch herausfordernden Strecke willkommen zu heißen, diejenigen zu bewundern, die laufen, joggen oder walken, diejenigen an der Spitze genauso anzufeuern (und insgeheim zu überlegen, ob ich ihnen in den Tagen vor der Verletzung auf den Fersen gewesen wäre!), wie diejenigen, die mit der Schlussbegleitung gehen. Außerdem lasse ich mich von all den anderen Freiwilligen inspirieren, die Woche für Woche wiederkommen, um bei der Veranstaltung zu helfen, die frische Luft zu genießen und den Gemeinschaftsgeist aufzusaugen.

 

Selbst an den trübsten Tagen gibt es immer genug Freiwillige, die als Streckenposten fungieren, Zeit messen und unsere parkrunner anfeuern, um dann die Strecke in Rekordzeit abzubauen und sich in der Bar des Golfclubs auf ein wohlverdientes Bier zu treffen!

 

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Das Sortieren der Zielmarken und die Bearbeitung der Ergebnisse sind zu ausgefeilten Übungen geworden, begleitet von lebhaften Gesprächen, bei denen wir uns über die Woche austauschen, bevor wir uns im Kernteam treffen, um organisatorische Dinge zur Durchführung der Veranstaltung zu besprechen. Uns ist es sehr wichtig, jeden Samstag eine Veranstaltung zu liefern, die Spaß macht und gleichzeitig sicher ist. Deshalb üben und überprüfen wir regelmäßig unseren Notfallplan, etwas, das ich gerne leite, wobei ich auf meine militärische Erfahrung zurückgreifen kann.

 

In unsere Gemeinschaft vor Ort eintauchen zu können, bei der Durchführung des Marlborough parkruns zu helfen und das Gefühl zu haben, mit offenen Armen empfangen worden zu sein, ist enorm aufbauend und erfüllend für mich und etwas, das ich besonders vermisse, seit die Veranstaltungen im letzten März ausgesetzt wurden.

 

Die meiste Zeit des Jahres 2020 konnte ich meine Beinprothese nicht tragen, weil ich nochmals operiert worden musste und das von Januar auf September verschoben wurde. Ich war all meinen parkrun-Freunden, die mich in dieser Zeit unterstützt haben, enorm dankbar. Gleichzeitig war ich unglaublich frustriert, dass parkrun pausieren musste ich deshalb anderen nicht so helfen konnte, wie ich es wollte, abgesehen von einigen Telefonanrufen hier und da.
Ich freue mich so sehr auf die Rückkehr von parkrun, darauf, wieder regelmäßig mit ‘meinen’ Leuten draußen zu sein, mich ehrenamtlich zu engagieren und den Wunsch zu befriedigen, zu ‘dienen’, was ich seit meinem Ausscheiden aus der Armee vermisse, und hoffentlich auf eine Zeit, in der ich auch wieder laufen kann.

 

Kate Philp

 

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