Nachrichten - 12th May 2021
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Neue Forschung belegt ein sehr niedriges COVID-Ansteckungsrisiko bei Sportveranstaltungen im Freien

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Kürzlich wurde eine bahnbrechende, unabhängige Studie veröffentlicht, die von parkrun in Auftrag gegeben wurde und erstmalig das Risiko einer Übertragung von COVID-19 (Coronavirus) bei parkrun-Veranstaltungen abschätzt.

 

Die Studie verwendete Daten, die vom Büro für Nationale Statistik in Großbritannien (Office for National Statistics [ONS]) im März 2021 veröffentlicht wurden und die Verbreitung des Virus und von Antikörpern in der Bevölkerung untersuchten. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass wenn Parkruns im März dieses Jahres stattgefunden hätten, bei durchschnittlich 30 % der Veranstaltungen keine infizierte Person anwesend gewesen wäre. Bei Veranstaltungen, an denen eine infizierte Person teilgenommen hätte, hätte der durchschnittliche R-Wert bei nur 0,057 gelegen.

 

Die Studie (hier in voller Länge zu lesen) wurde von Professor Clive Beggs an der Queen Mary University of London entwickelt. Er ist Experte für die Übertragung und Kontrolle von Infektionskrankheiten und Berater des Department für Gesundheit und Sozialfürsorge.

 

Professor Beggs ließ in einem Computermodell 10.000 Simulationen einer durchschnittlichen parkrun-Veranstaltung mit 263 Personen laufen, wobei er den schlimmsten anzunehmenden Fall für die Anzahl und Dauer der menschlichen Kontakte zugrunde legte. Das Ergebnis war, dass sich nur 0,015 % der Läufer potenziell mit COVID-19 hätten anstecken können.

 

Mit dem weiteren Impffortschritt in ganz Großbritannien und dem Rückgang der Infektionszahlen sollten parkrun-Veranstaltungen bereits jetzt sicherer sein, als das Modell vorhersagt, und noch sicherer, wenn parkrun im Juni in ganz England wieder stattfindet.

 

Professor Beggs sagte: “Unsere Analyse wurde unter Verwendung der COVID-19-Infektionswerte vom März 2021 durchgeführt und zeigt, dass parkrun-Veranstaltungen wahrscheinlich sehr sicher sind. Dieser Befund scheint durch die Erkenntnisse aus den verschiedenen Straßenläufen gestützt zu werden, die während der Pandemie auf der ganzen Welt stattgefunden haben und bei denen auffällig wenige Infektionssausbrüche zu verzeichnen waren. Auf dieser Grundlage scheint es mir, dass Laufveranstaltungen in Großbritannien wahrscheinlich bereits jetzt sicher sind und jeden Tag sicherer werden, da die Infektionsrate sinkt und die Impfungen fortgesetzt werden.”

 

Professor Dame Sally Davies, der frühere Chief Medical Officer von England, und derzeitige Master des Trinity College an der Universität von Cambridge sagte: “Ich begrüße diesen Bericht von Professor Clive Beggs, der ein bemerkenswerter und beruhigender Fortschritt in unserem Verständnis der Übertragung von COVID-19 im Freien ist. Die parkrun-Gemeinschaften sollten aus den Ergebnissen die Zuversicht schöpfen, dass das Walken, Laufen, Joggen oder die freiwillige Teilnahme an parkrun wahrscheinlich sehr sicher ist.

 

Wir brauchen parkrun jetzt mehr denn je, um die öffentliche Gesundheit und das Glück der Menschen zu verbessern. Unser Wohlbefinden sowie unsere körperliche und geistige Gesundheit hängen davon ab, dass wir aktiv und zusammen sind, im Einklang mit den Richtlinien der Regierung und dem COVID-19-Rahmenwerk von parkrun.

 

Auf der Grundlage dieser Forschung freue ich mich sehr auf den Neustart von parkrun am 5. Juni.”

 

Die Studie legt auch nahe, dass entgegen der landläufigen Meinung das Infektionsrisiko an der Startlinie von Veranstaltungen wie parkrun sogar geringer ist, als während der Veranstaltung selbst. Dies scheint vor allem an der deutlich niedrigeren Atemfrequenz (Lungenventilation) der Teilnehmenden vor der Veranstaltung im Vergleich zum Laufen zu liegen sowie an der relativ kurzen Zeitspanne, während der die Teilnehmenden nahe beieinander sind.

 

Tatsächlich kam Professor Beggs bei den 10.000 Simulationen des Modells zu dem Schluss, dass bei den 2,6 Millionen simulierten Teilnehmenden bei parkrun nur eine einzige Infektion an der Startlinie aufgetreten wäre.

 

Dieses Ergebnis legt nahe, dass Maßnahmen wie Wellen- oder gestaffelte Starts unnötig sind, insbesondere wenn Maßnahmen eingeführt werden, die die Zeit, in der die Teilnehmenden beisammen sind, minimieren (eine der Maßnahmen, die in das operativen COVID-19-Rahmenwerk von parkrun aufgenommen wurden).

 

Als eine weitere Erkenntnis stellt die Untersuchung das Ergebnis einer früheren hochkarätigen Windkanalstudie in Frage, in der gezeigt wurde, dass sich Partikel des Virus hinter Läufern ausbreiten könnten und möglicherweise ein erhebliches Infektionsrisiko für diejenigen darstellen, die direkt hinter ihnen laufen.
Professor Beggs erläutert in seinem Bericht, dass die Pre-Print-Studie keine realen Bedingungen simuliert hat und wichtige Faktoren wie die durchschnittliche Windgeschwindigkeit, Seitenwind oder Turbulenzen, die durch die wechselnden Positionen der Läufer entstehen, nicht berücksichtigt sind. Ebenfalls nicht eingerechnet ist die Tatsache, dass Läufer nicht statisch sind und häufig die Richtung wechseln: per Definition sind sie in Bewegung und erzeugen so ständig Turbulenzen und Änderungen der Luftströmung.

 

Dementsprechend argumentiert Beggs, dass die vorliegende Studie eine unrealistische Annahme des schlimmsten Falls darstellt und schlussfolgert, dass das Infektionsrisiko bei einer tatsächlichen parkrun-Veranstaltung noch viel niedriger wäre.

 

Nick Pearson, Chief Executive Officer bei parkrun, sagte: “In den letzten dreizehn Monaten hat sich unser Verständnis des Virus mit jeder akademischen Veröffentlichung, jeder wissenschaftlichen Studie und jedem Expertenbericht deutlich verbessert. Wir wissen jetzt viel mehr über das Coronavirus als im letzten Jahr, und wir sollten dieses Wissen nutzen, um angemessene, faktenbasierte Entscheidungen darüber zu treffen, wie und wann wir zum normalen Leben zurückkehren sollten.

 

Wir haben Professor Beggs gebeten, nur sehr konservative Zahlen für seine Modellierung zu verwenden, um zu versuchen, ein Szenario für den schlimmsten anzunehmenden Fall zu erstellen. Und es ist klar, dass selbst bei diesem vorsichtigen Ansatz das Risiko einer Übertragung von COVID-19 bei einer Veranstaltung im Freien wie parkrun verschwindend gering ist.

 
Ich glaube, diese Studie hat enorme Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir die Risiken im Zusammenhang mit Laufveranstaltungen und Outdoor-Sport im Allgemeinen betrachten. Die Chancen, dass es bei organisierten, risikobewerteten Veranstaltungen im Freien überhaupt zu einer Infektion kommt, sind in der Tat minimal, selbst bei bis zu einigen tausend Teilnehmern. Wir müssen Daten und Beweise nutzen, um Entscheidungen zu treffen, und verstehen, dass es jetzt eine wachsende Anzahl von Beweisen gibt, die eindeutig zeigen, dass Sportveranstaltungen im Freien, wie z.B. parkrun, sicher sind.

 
Vor allem jetzt überwiegen die Vorteile, gemeinsam aktiv zu werden, bei weitem das Risiko einer Virusübertragung im Freien, das gegen Null geht. Mit Blick auf den Sommer ist es wichtig, dass wir alles uns Mögliche tun, um parkrun-Veranstaltungen wiederzueröffnen und unsere Bevölkerung wieder auf die Beine zu bringen, was sich positiv auf die Gesundheit und das Glück von uns selbst, unseren Freunden, unserer Familie und den Menschen um uns herum auswirkt.”

 

ENDE

 

Anmerkungen an die Herausgebenden der Veröffentlichung:
Über diese Studie und Professor Clive Beggs

 

Clive Beggs ist Experte für die Übertragung und Kontrolle von Infektionskrankheiten und hat sich über viele Jahre insbesondere mit der Verbreitung von Krankheiten über Aerosole beschäftigt. Derzeit ist er an der Queen Mary Universität in London an mehreren Projekten zur Luftdesinfektion beteiligt, um die Verbreitung von COVID-19 in Gebäuden einzudämmen.

 
Um die parkrun-Studie durchzuführen, nutzte Prof. Beggs die von Bond et al. [1] an der Colorado State University entwickelte Methode des wieder eingeatmeten Luftvolumens. Er führte 10.000 Monte-Carlo-Simulationen für einen durchschnittlichen parkrun in Großbritannien mit 263 Laufenden durch. Für jede Simulation wurde die durchschnittliche Anzahl und Dauer der engen Kontakte zwischen einer möglichen infizierten Person und einer sich ansteckenden Personen zufällig modelliert. Damit konnte über die 10.000 Simulationen hinweg vorhergesagt werden, wie viele Kreuzinfektionsereignisse wahrscheinlich auftreten würden. Die Ergebnisse zeigten, dass über 10.000 simulierte Veranstaltungen, bei denen insgesamt 2,63 Millionen Laufende und 330.000 weitere Personen anwesend gewesen wären, nur 403 Personen infiziert wurden wären, von denen 399 Laufende.

 

Die Studie ist nicht nur bahnbrechend, weil sie zeigt, dass Massenlaufveranstaltungen im Freien wahrscheinlich sicher sind, sondern auch, weil die angewandte Methodik großes Potenzial für die Bewertung des COVID-19-Infektionsrisikos bei einer Vielzahl anderer Veranstaltungen im Freien hat.

 

Über parkrun

 

parkruns sind kostenlose, wöchentliche, inklusive, gemeinschaftliche 5km-Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Sie werden von Freiwilligen geleitet. Die Teilnahme ist offen für Menschen jeden Alters, jeder Fähigkeit und jedes Hintergrunds.

 

Weltweit sind fast 7.000.000 Menschen bei parkrun registriert und über eine Million Menschen haben an über 2.000 Standorten in 22 verschiedenen Ländern freiwillg geholfen.

 

In Großbritannien nehmen jede Woche durchschnittlich 200.000 Personen teil. Bei parkrun kann man walken, joggen, laufen, helfen oder einfach nur vorbeikommen und zuschauen.

 

Kontakt

 

Russ Jefferys, parkrun Global Head of Communications

telefon: 07469951161, email: Russ.Jefferys@parkrun.com

Kirsty Woodbridge, parkrun Communications Manager

telefon: 07487605235, email: Kirsty.Woodbridge@parkrun.com

 

1. Quantifying Proximity, Confinement, and Interventions in Disease Outbreaks: A Decision Support Framework for Air-Transported Pathogens

Tami C. Bond, Angela Bosco-Lauth, Delphine K. Farmer, Paul W. Francisco, Jeffrey R. Pierce, Kristen M. Fedak, Jay M. Ham, Shantanu H. Jathar, and Sue VandeWoude

Environmental Science & Technology 202155 (5), 2890-2898

DOI: 10.1021/acs.est.0c07721

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