Nachrichten - 13th October 2021

Das Paradox der zweiten Runde

Dorothee2

parkrun ist für alle da – parkrun ist für alle anders…. Es sind die Menschen, die parkrun zu dem machen, was es ist. Sie machen die Gemeinschaft aus, egal ob sie laufen, walken, spazieren oder freiwillig helfen. Heute erzählt uns Dorothee vom Hasenheide parkrun, Berlin ihre Geschichte.
 
 
Die Schar der Laufenden teilt sich grob in zwei Gruppen. Diejenigen, die von A nach B laufen und gelegentlich auch mal zurück und die anderen, die am liebsten in Runden traben. Runden sind zuverlässige Metriken, insbesondere dann, wenn sie auf einer Laufbahn absolviert werden. Sie sind berechenbarer, als ein irrlichternder Lauf durch eine fremde Gegend oder einen unbekannten Wald. Da kann man sich mit Distanz und Kraft schon mal vertun.

 
Runden laufen ist also etwas für Menschen, die es genau wissen möchten und nicht am Ende Ampelphasen, das Fallen über streunende Hunde oder den unvermeidlichen Plausch mit der Nachbarin von der idealen Zeit abziehen wollen.

 

Eine Sonderform des Rundenlaufens ist das Rennen im Park. Einerseits kennt die Läuferin hier mit der Zeit die genaue Distanz der Strecke und kann sich selbst vergleichen, andererseits warten auch hier Widrigkeiten wie spielende Kinder, eilige Radfahrer, bummelige Spazierer oder auch topografische Herausforderungen auf die laufenden Menschen. So auch beim Hasenheide parkrun.

 

Die 5-km Strecke geht über zwei Runden durch den namensgebenden Berliner Park, die Hasenheide. In der zweiten Runde geht es über “den” Hügel, damit die Strecke auch wirklich 5 km lang ist und nicht am Ende noch dreimal um die Hasenschänke gerannt werden muss. Das würde nämlich zu Kollisionen führen.

 

Die Rixdorfer Höhe entstand nach dem 2. Weltkrieg aus 700.000 m³ Trümmerschutt und erhebt sich 22 m über die ansonsten flach angelegte Parkfläche. Gefühlt ist es je nach Tagesform mal mehr, mal weniger. Auf jeden Fall aber für ansonsten bergentwöhnte Berliner eine ordentliche Steigung. Dabei ist der Hügel nur einmal zu laufen und zwar immer in der zweiten Runde.

 

Neulich trabte ich neben Micha über den Parcours. Wir hatten uns gegenseitig versichert, heute mal gemütlich laufen zu wollen, was aber nur dazu führte, dass wir dabei immer schneller wurden. In der zweiten Runde bogen wir schon reichlich angestrengt unter den aufmerksamen Blicken des Marshalls auf den Hügel ab, bemüht möglichst leichtfüßig nach oben zu gleiten.  22 Höhenmeter pure Konzentration. Da der Weg hinab quasi in einer Schleife verläuft, kamen wir erneut, nun zum dritten Mal beim „Hügel-Marshall“ vorbei. Während wir also so dahin liefen und versuchten, wieder zu Atem zu kommen, sagte Micha: Eigentlich sind wir ja immer noch in der zweiten Runde, also müssten wir doch jetzt wieder abbiegen…

 

Ich bekam schon ohnehin kaum noch Luft und versuchte, die Aussage zu verstehen. Wo beginnt die zweite Runde? Wo endet sie? Und was kommt nach dem Hügel? Wir befanden uns in einem Zwischenraum. Es war das Paradox der zweiten Runde. Ein Perpetuum Mobile. Kein Entrinnen vom Hügel. Ich dachte an Sysiphos und war froh, dass ich keinen Stein mit nach oben rollen musste.

 

Das freundliche Winken des Marshalls riss mich aus den Gedanken. Wir erhielten die Erlaubnis nun geradeaus weiter Richtung Ziel zu Laufen. Zuverlässige zwei Runden, die sich Woche für Woche wiederholen. Ein beruhigender Gedanke.

 

Inzwischen habe ich den Hasenheide parkrun 50 Mal absolviert. Ich bin 100 Runden gelaufen, insgesamt 250 km und 1.100 Höhenmeter. 50 Zieleinläufe mit bis zu 45°C Temperaturunterschied vom eiskalten Berliner Winter zum hitzewarmen Sommer. 50 Mal nette Menschen getroffen, geplaudert, gekämpft und zwischendurch viel Kuchen gegessen. Ich habe noch kein Ende gefunden. Nächste Woche stehe ich wieder beim parkrun. Erste Runde, zweite Runde, Hügel rauf, Hügel runter, Zieleinlauf. Das Paradox der zweiten Runde.

 

Dorothee

A 4322499

 

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Dorothee2

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